Es ist einer dieser Momente: Ihr Smartphone-Akku ist leer, aber das Tablet liegt griffbereit auf dem Sofa. Oder Sie sind auf einer Dienstreise nur mit dem Tablet unterwegs und müssen dringend einen Anruf erledigen. Die Frage taucht dann meist spontan auf: Kann ich mit dem Tablet eigentlich telefonieren? Die gute Nachricht: Ja, und zwar auf mehr als einem Weg. Dieser Artikel zeigt, welche drei Methoden es gibt, welche Tablets die Telefoniefunktion nativ unterstützen und worauf Sie achten sollten, bevor aus der spontanen Idee eine Kostenfalle wird.

Drei Methoden, mit dem Tablet zu telefonieren

Grundsätzlich führen drei Wege ans Ziel. Welcher für Sie der beste ist, hängt von Ihrem Tablet‑Modell und Ihrem gewohnten Nutzungsverhalten ab.

Die einfachste Variante ist eine Internet‑Telefon‑App (VoIP), die auf praktisch jedem modernen Tablet läuft. Sie brauchen nur WLAN und ein installiertes Programm. Daneben gibt es Tablets mit eingebautem SIM‑Slot und echter Telefon‑App, die sich wie ein Handy verhalten. Und drittens lassen sich Anrufe vom eigenen Smartphone auf das Tablet spiegeln, das funktioniert über Systemfunktionen von Samsung, Apple oder Microsoft und ist vor allem zu Hause sehr bequem.

VoIP‑Apps: Jedes WLAN‑Tablet wird zum Telefon

Die einfachste Methode: Sie nutzen eine App, die Sprachanrufe über das Internet abwickelt. Das funktioniert auf nahezu jedem Tablet, unabhängig davon, ob es einen SIM‑Slot besitzt. Sie benötigen lediglich eine WLAN‑Verbindung und ein installiertes Programm.

Welche Apps eignen sich?

Bekannte Messenger wie WhatsApp, Signal, Telegram und Skype bieten alle eine kostenlose Telefoniefunktion über Internet. WhatsApp und Signal sind Ende‑zu‑Ende verschlüsselt, was für die Sicherheit spricht. Skype eignet sich besonders für Anrufe ins Festnetz oder ins Ausland, allerdings oft kostenpflichtig. Auch Zoom und Viber lassen sich für Sprachgespräche nutzen. Entscheiden Sie sich für eine App, die Ihr Gesprächspartner bereits installiert hat, dann entfällt die Einladungsetikette.

Einschränkungen der VoIP‑Telefonie

So praktisch die App‑Lösung ist, es bleiben Grenzen. Notrufe lassen sich damit nicht absetzen. Sondernummern (0180, 0900) sind in der Regel nicht erreichbar. Außerdem verbraucht jedes Gespräch Datenvolumen, bei WLAN kein Problem, unterwegs mit mobilem Hotspot kann die Volumendeckelung schnell schmerzhaft werden. Die Sprachqualität hängt von der Internetverbindung ab: Bei schwachem WLAN oder langsamen mobilen Daten leidet die Verständlichkeit merklich.

Tablet mit SIM‑Slot: Echtes Telefonieren ohne Handy

Einige Tablet‑Modelle, vor allem aus dem Android‑Lager, bieten einen SIM‑Kartenslot und unterstützen Anrufe über das ganz normale Mobilfunknetz. Damit wird Ihr Tablet zu einem vollwertigen Zweittelefon.

Welche Tablets können von Haus aus telefonieren?

Die Telefoniefunktion ist nicht bei jedem Tablet mit LTE‑Modem automatisch vorhanden. Während fast alle iPads mit Mobilfunk zwar mobile Daten empfangen, fehlt ihnen die klassische Telefon‑App. Anders sieht es bei vielen Android‑Tablets aus: Geräte von Samsung, Lenovo, Huawei oder Xiaomi mit der entsprechenden Telefon‑App können Gespräche über das Mobilfunknetz führen. Achten Sie beim Kauf gezielt auf die Angabe „Sprachanrufe über Mobilfunk“ oder „Telefoniefunktion“. Eine eSIM‑Option erleichtert den Wechsel zwischen Anbietern.

Tarife und Provider

Für die Telefonie per SIM benötigen Sie einen Mobilfunkvertrag mit Sprachflat. Die meisten Daten‑only‑Tarife unterstützen keine Anrufe, hier müssen Sie genau hinsehen. Prepaid‑Karten mit Allnet‑Flat sind oft die günstigste Wahl, wenn Sie das Tablet nur gelegentlich als Telefon nutzen. Bedenken Sie: Bei Anrufen ins Ausland gelten dieselben Roaming‑Bedingungen wie beim Smartphone.

Anrufe vom Smartphone aufs Tablet holen

Wem zwei SIM‑Karten zu umständlich sind, kann Anrufe vom eigenen Handy auf das Tablet spiegeln. Diese Methode ist ideal, wenn Sie Ihr Smartphone in der Tasche lassen wollen, aber alle Anrufe und Nachrichten auf dem größeren Bildschirm sehen möchten.

Samsung Flow, Apple Continuity und Microsoft Ihr Smartphone

Samsung‑Besitzer greifen zu Samsung Flow, das Texte und Anrufe zwischen Galaxy‑Smartphone und Tablet synchronisiert. Im Apple‑Universum überträgt die Continuity‑Funktion Mobilfunkanrufe automatisch auf das iPad, sobald beide Geräte im selben WLAN sind und dieselbe Apple‑ID nutzen. Windows‑Nutzer können mit der App „Ihr Smartphone“ von Microsoft Anrufe eines Android‑Handys auf dem Surface oder einem anderen Windows‑Tablet entgegennehmen. In allen Fällen wird das Tablet zum erweiterten Display des Telefons.

Die Schattenseiten der Kopplung

Die Kopplung setzt voraus, dass das Smartphone in Reichweite bleibt und eingeschaltet ist. Fällt das Handy aus, ist auch das Tablet stumm. Zudem können Verzögerungen im Ton auftreten, die bei wichtigen Geschäftsgesprächen stören. Für den Heimgebrauch oder das Büro ist diese Lösung dennoch sehr bequem.

Technische Voraussetzungen im Überblick

Damit das Telefonieren mit dem Tablet reibungslos klappt, sollten einige technische Grundlagen stimmen. Ein zu altes Gerät oder ein schlechtes Mikrofon verderben sonst den Spaß.

Betriebssystem und App‑Verfügbarkeit

Tablets mit Android 12 oder neuer, iPadOS 17 und Windows 11 bieten die nötige Infrastruktur für VoIP‑Apps und Kopplungsdienste. Ältere Versionen bekommen oft keine Updates mehr, was Sicherheitslücken aufreißen kann. Prüfen Sie vor dem Installieren einer Telefon‑App, ob sie mit Ihrer Firmware kompatibel ist. Besonders bei günstigen No‑Name‑Tablets kann die App‑Unterstützung eingeschränkt sein. Falls Sie das neue Kontextmenü von Windows 11 stört, holen Sie mit diesem Trick das alte zurück, eine Erleichterung, wenn Sie während eines Telefonats schnell Einstellungen ändern möchten.

WLAN, LTE oder 5G?

Ein stabiles Internet ist die Basis für alle drei Methoden. Zu Hause reicht WLAN völlig aus. Unterwegs wird es kniffliger: Ein reines WLAN‑Tablet braucht einen mobilen Hotspot, der den Akku des Handys zusätzlich belastet. Ein Tablet mit LTE‑ oder 5G‑Modul schafft Abhilfe und erlaubt mobiles Telefonieren ganz ohne Smartphone. Allerdings kostet die Datenoption einen monatlichen Aufpreis, den Sie gegen den Nutzen abwägen sollten.

Mikrofon und Lautsprecher

Die eingebauten Mikrofone der meisten Tablets sind für Videokonferenzen ausgelegt, nicht für Handgespräche. Wer das Tablet als Telefon nutzt, sollte am besten ein Headset oder In‑Ear‑Kopfhörer mit Mikrofon verwenden. Das verbessert die Sprachqualität erheblich und vermeidet Rückkopplungen. Im Notfall genügt auch die Freisprechfunktion, aber der Klang ist dann oft hallig.

Was das Telefonieren mit dem Tablet kostet

Telefonieren mit dem Tablet kann kostenlos sein, aber nur, wenn Sie einige Fallstricke kennen. Andernfalls drohen unliebsame Überraschungen auf der Rechnung.

Datenverbrauch eines VoIP‑Anrufs

Ein stündiges Gespräch über WhatsApp oder Signal verbraucht etwa 30 bis 45 Megabyte. Surfen Sie während des Telefonats noch im Netz oder streamen Musik, geht das Volumen deutlich schneller zur Neige. Mit einem unlimitierten Datentarif spielt das keine Rolle. Haben Sie nur ein kleines Kontingent, lohnt sich ein kurzer Blick in die Verbrauchsanzeige.

Roaming‑Gebühren im Ausland

Außerhalb der EU fallen für Anrufe über das Mobilfunknetz hohe Roaming‑Entgelte an. VoIP‑Anrufe umgehen diese Kosten, sofern Sie eine lokale WLAN‑Verbindung nutzen. Sind Sie mit mobilem Datentarif im Nicht‑EU‑Ausland unterwegs, wird jeder Minutenanruf kostspielig. Die Lösung: Vor Reiseantritt die WLAN‑Optionen prüfen und, wenn nötig, auf einen reinen Messenger‑Anruf umschwenken.

Vorsicht bei Sondernummern

Über eine SIM‑Karte angewählt, kosten 0180‑ und 0900‑Nummern auch auf dem Tablet dasselbe wie vom Handy. Über VoIP‑Apps sind diese Nummern meist gar nicht erreichbar. Wenn Sie regelmäßig mit solchen Nummern zu tun haben (etwa beim Kundenservice), sollten Sie lieber auf die SIM‑basierte Telefonie setzen.

Alltagserfahrung: Akku, Komfort und Sprachqualität

Nach einigen Tagen mit dem Tablet als Telefon stellen sich meist gemischte Gefühle ein. Es funktioniert, aber es fühlt sich nicht immer natürlich an.

Akku hält länger, aber das Gewicht stört

Die meisten Tablets haben einen deutlich größeren Akku als Smartphones und halten problemlos einen ganzen Tag Dauergespräch durch. Allerdings wiegen sie auch ein Vielfaches. Wer 30 Minuten lang das 10‑Zoll‑Tablet ans Ohr hält, bekommt schwerere Arme. Ein kabelloses Headset ist hier fast Pflicht, wenn Sie nicht auf den Lautsprecher ausweichen wollen.

Ergonomie: Headset oder Freisprechen?

Mit einem Bluetooth‑Headset oder einfachen Kopfhörern wird das Tablet‑Telefon zum komfortablen Zweitgerät. Sie können den Bildschirm wie gewohnt nutzen, sogar parallel Notizen machen oder eine E‑Mail verfassen. Dank Split‑Screen‑Funktion und Eingabestift erledigen Sie nebenbei kleine Büroaufgaben, das Umwandeln von Text in Zahlen in Excel geht per Stift flotter als auf dem Handy. Ohne Headset ist die Freisprechfunktion eine brauchbare Alternative, wenn Sie in einer ruhigen Umgebung sind.

Wie gut klingt der Anruf wirklich?

Die Sprachqualität über VoIP kann modernen Mobilfunkstandards inzwischen das Wasser reichen, vorausgesetzt die Internetverbindung ist stabil. In der Praxis fallen dennoch Aussetzer oder Verzerrungen auf, besonders wenn viele Endgeräte im selben WLAN hängen. Ein SIM‑basierter Anruf klingt meist etwas klarer und zuverlässiger. Für wichtige Gespräche empfehlen wir einen Testanruf vor dem Ernstfall.

Sicherheit beim Tablet‑Telefonat

Kaum ein Gerät sammelt so viele persönliche Daten wie ein Tablet, und Telefonate sind oft vertraulich. Ein paar Vorsichtsmaßnahmen helfen, die Privatsphäre zu schützen.

Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung nutzen

App‑Anrufe über Signal oder WhatsApp sind standardmäßig verschlüsselt, Gespräche über das Mobilfunknetz hingegen nicht. Wer sichergehen will, setzt auf Messenger mit hohem Datenschutzstandard. Achten Sie darauf, dass die App regelmäßig aktualisiert wird, um Sicherheitslücken zu schließen.

Öffentliches WLAN vermeiden?

In einem Café oder am Flughafen können offene WLANs ein Risiko darstellen, da Dritte den Datenverkehr mitschneiden könnten. Nutzen Sie für sensible Telefonate besser das eigene LTE‑Netz oder ein vertrauenswürdiges VPN. Moderne Messenger verhindern zwar das Abhören des Inhalts, aber ein Angreifer kann trotzdem sehen, mit wem Sie wie lange telefonieren, und das ist oft schon zu viel an Information.

Fragen und Antworten

Brauche ich eine SIM‑Karte, um mit dem Tablet zu telefonieren?

Nein, eine SIM‑Karte ist nur nötig, wenn Sie über das Mobilfunknetz telefonieren möchten. Für Anrufe mit WhatsApp, Skype und Co. reicht eine WLAN‑Verbindung vollständig aus. Einige Tablets mit SIM‑Slot bieten darüber hinaus die native Telefonie‑App, dann können Sie auch ohne Internet einen echten Handyanruf führen.

Kann ich mit dem Tablet einen Notruf absetzen?

Grundsätzlich nein. VoIP‑Apps unterstützen keine Notrufnummern (110, 112). Wenn Ihr Tablet über eine SIM‑Karte und eine eingebaute Telefon‑App verfügt, kann ein Notruf unter Umständen gelingen, aber darauf sollten Sie sich nicht verlassen. Für den Ernstfall ist ein konventionelles Handy oder Festnetzanschluss die sicherere Wahl.

Ist die Sprachqualität auf dem Tablet genauso gut wie beim Smartphone?

Das hängt von der Methode ab. SIM‑basierte Anrufe entsprechen der üblichen Mobilfunkqualität. Bei VoIP kann die Qualität je nach Internetverbindung stärker schwanken und leidet unter Paketverlusten. Mit einem Headset und stabilem WLAN ist der Unterschied für die meisten Nutzer kaum hörbar, aber eine professionelle Konferenz sollte besser nicht über ein wackeliges LTE‑Modem geführt werden.

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