Sie tippen auf das Teilen-Symbol, wählen „Drucken“ und dann: nichts. Der Drucker taucht nicht auf. Oder er taucht auf, aber das Blatt bleibt leer, während der Drucker vor sich hin summt. Oder noch besser: Die Meldung „Kein AirPrint-Drucker gefunden“ erscheint, obwohl Sie den Drucker vor einer Stunde noch ganz normal vom Mac genutzt haben.
Drucken vom iPad sollte eigentlich die einfachste Sache der Welt sein. Apple hat AirPrint genau dafür gebaut, kein Kabel, kein Treiber, keine Einrichtung. Ein Fingertipp, und das Dokument liegt im Ausgabefach. In der Praxis klappt das oft, aber nicht immer. Und wenn es nicht klappt, sind die Fehlermeldungen des iPad ungefähr so hilfreich wie der Hinweis „Es ist ein Fehler aufgetreten“ beim Online-Banking.
Wir gehen durch, was beim Drucken vom iPad wirklich passiert, wo die typischen Stolperfallen liegen und wie Sie das Ganze wieder zum Laufen bringen, ohne den Drucker aus dem Fenster zu werfen.
AirPrint: Warum das iPad keinen Treiber braucht
Als Apple 2010 mit iOS 4.2 AirPrint einführte, war das ein kleiner Befreiungsschlag. Vorher hieß Drucken vom iPhone oder iPad: Dokument auf den Rechner schicken, von dort drucken, fertig. Ein Umweg, den niemand vermisst.
AirPrint funktioniert anders als das Drucken von Windows oder Mac. Es installiert sich nicht als Druckertreiber im klassischen Sinn. Stattdessen spricht das iPad das Druckerprotokoll direkt über das Netzwerk an. Das Dokument wird im Hintergrund in ein PDF umgewandelt und an den Drucker geschickt. Der muss AirPrint unterstützen, und genau da liegt der Haken bei vielen älteren Geräten.
Die gute Nachricht: Praktisch jeder Drucker, der in den letzten Jahren verkauft wurde, kann AirPrint. Hersteller wie HP, Canon, Epson und Brother bewerben die Funktion oft auf der Verpackung, aber sie ist mittlerweile so selbstverständlich, dass sie eher im Kleingedruckten steht. Wenn Ihr Drucker nach 2016 auf den Markt gekommen ist und WLAN hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass AirPrint an Bord ist.
So finden Sie es raus: Drucken Sie eine Konfigurationsseite direkt am Drucker aus. Unter den Netzwerkeinstellungen sollte ein Eintrag wie „AirPrint: Aktiviert“ oder „Bonjour: Ein“ auftauchen. Oder geben Sie die IP-Adresse des Druckers im Safari des iPad ein, manche Modelle zeigen auf der Statusseite an, ob AirPrint läuft.
Die Netzwerkfalle: Gleiches WLAN ist nicht gleich erreichbar
Der häufigste Grund, warum der Drucker im iPad-Menü nicht erscheint, hat nichts mit dem Drucker zu tun. Es ist das Netzwerk. Und zwar fast immer.
AirPrint arbeitet mit Bonjour, Apples Netzwerkdienst für die automatische Geräteerkennung. Bonjour sendet kleine Datenpakete im lokalen Netzwerk, damit Geräte einander finden. Viele moderne Router unterdrücken diese Pakete oder leiten sie nicht korrekt weiter, vor allem, wenn der Router auch das Gast-WLAN, einen Mesh-Repeater oder ein VLAN betreibt.
Hier sind die drei Szenarien, die wir am häufigsten sehen:
Das Gast-WLAN-Problem
Ihr iPad hängt im normalen WLAN, der Drucker im Gast-WLAN, oder umgekehrt. Beide sehen für Sie gleich aus („FRITZ!Box Gastzugang“ und „FRITZ!Box“ unterscheiden sich nur durch ein Wort), aber aus Sicht des Netzwerks sind es getrennte Inseln. Bonjour-Pakete kommen nicht über die Brücke. Lösung: Beide Geräte im selben Hauptnetz anmelden.
Der Repeater-Schleier
Ein FritzRepeater oder ein Mesh-Knoten hängt zwischen iPad und Router. Das iPad verbindet sich mit dem Repeater, der Drucker direkt mit der FRITZ!Box. Beide sind im gleichen Netz, aber der Repeater tunnelt das Signal durch seinen eigenen Chip, und dabei bleiben Bonjour-Pakete manchmal stecken. Abhilfe: iPad kurz in Flugmodus schalten und wieder mit dem WLAN verbinden. Das zwingt es, sich neu mit dem nächsten Access Point zu verbinden, vielleicht der Box statt dem Repeater.
Die FRITZ!Box-Einstellung, die keiner kennt
AVM-FRITZ!Boxen haben in den WLAN-Einstellungen eine Option namens „Die angezeigten WLAN-Geräte dürfen untereinander kommunizieren“. Wer die abgeschaltet hat, etwa aus Sicherheitsgründen bei einem WG-Netz, unterbindet damit auch AirPrint. Bonjour wird blockiert, der Drucker bleibt unsichtbar. Also: Aktivieren Sie die Option, wenn Sie zuhause drucken wollen.
Drucken aus verschiedenen Apps: Die Unterschiede, die zählen
Das iPad behandelt nicht jede App gleich, und das Druckverhalten unterscheidet sich je nach App-Typ. Wer das einmal versteht, spart sich bei jedem zweiten Druckversuch die Suche nach dem richtigen Menüpunkt.
Safari und Mail
In Safari tippen Sie auf das Teilen-Symbol (das Kästchen mit dem Pfeil nach oben) und scrollen nach unten zu „Drucken“. Mail funktioniert genauso, nur dass Sie vorher die E-Mail öffnen müssen. In beiden Fällen bekommen Sie eine Druckvorschau, in der Sie mit zwei Fingern auf- und zuziehen können, um den Ausschnitt anzupassen.
Fotos
Die Fotos-App verschickt immer ein Bild pro Seite. Wenn Sie mehrere Fotos markieren und drucken, legt das iPad jedes Bild auf eine eigene Seite, es gibt keinen Kontaktabzug. Wollen Sie mehrere Bilder auf einem Blatt, brauchen Sie eine Drittanbieter-App oder Sie fügen die Bilder in Pages ein.
Pages, Numbers, Keynote
Apples Büro-Apps zeigen im Druckmenü mehr Optionen als Safari: Seitenbereich, Farbmodus, doppelseitiger Druck. Pages kann sogar den Seitenhintergrund berücksichtigen, was bei Safari nicht geht. Wenn Sie also ein Dokument mit farbigem Hintergrund oder Wasserzeichen gestaltet haben, drucken Sie es besser aus Pages heraus.
Dateien und Drittanbieter
Die Dateien-App gibt sich beim Drucken minimalistisch. Sie öffnet das Dokument, bietet es dem Druckdialog an und das war es. Bei PDFs klappt das zuverlässig, bei Office-Formaten nur, wenn das iPad das Format lesen kann. Ein Tipp für Nutzer, die viel mit Microsoft Office arbeiten: Die kostenlose Office-App von Microsoft druckt DOCX und XLSX direkt mit AirPrint, während die Dateien-App diese Formate nur in der Vorschau anzeigt.
Wenn der Drucker kein AirPrint hat: Apps der Hersteller
Nicht jeder Drucker, der noch funktioniert, kann AirPrint. Gerade Laserdrucker aus Büroauflösungen halten ewig und wurden oft vor 2015 hergestellt: kein AirPrint. Trotzdem können Sie diese vom iPad aus ansteuern.
Der Weg führt über die App des Druckerherstellers. HP Smart, Canon PRINT, Epson iPrint, Brother iPrint&Scan, alle großen Hersteller bieten eine iOS-App, die das Drucken per WLAN auch ohne AirPrint ermöglicht. Die Apps schleusen das Dokument über einen eigenen Druckdienst, der auf dem iPad läuft und das Protokoll des Herstellers spricht.
In der Praxis bedeutet das: Sie öffnen die App, wählen das Dokument aus der Dateien-App oder aus Fotos, stellen die Druckqualität ein und legen los. Der Komfort ist geringer als bei AirPrint, weil Sie nicht aus jeder App heraus direkt drucken können, Sie müssen immer den Umweg über die Hersteller-App gehen. Aber es funktioniert, und zwar mit Druckern, die sonst nur noch über USB ansprechbar wären.
Ein Detail, das oft übersehen wird: Manche Hersteller-Apps können Drucker auch dann erreichen, wenn diese per Ethernet-Kabel am Router hängen, aber kein WLAN haben. Das iPad ist im WLAN, der Drucker per Kabel am selben Router, die App findet den Drucker trotzdem. AirPrint scheitert daran manchmal, Hersteller-Apps kommen damit besser klar.
Der Druckauftrag hängt fest: so lösen Sie das Problem
Das iPad zeigt „Druckauftrag wird gesendet“, aber der Drucker tut nichts. Oder der Drucker zieht Papier ein und spuckt es unbeschriftet wieder aus. Beides Varianten desselben Problems: Der Auftrag steckt in der Warteschlange fest.
Auf dem iPad selbst gibt es keine Druckerwarteschlange wie unter Windows oder macOS. Sie können nicht einfach auf „Abbrechen“ klicken. Stattdessen müssen Sie den Auftrag am Drucker löschen, fast jeder Drucker hat dafür eine physische Stopp-Taste oder einen Menüpunkt „Auftrag abbrechen“. Danach das iPad kurz in Flugmodus schalten und wieder online bringen. Der hängende Auftrag im iPad-Arbeitsspeicher wird dadurch verworfen.
Wenn das nicht hilft: Drucker für 30 Sekunden vom Strom trennen. Das löscht den internen Pufferspeicher des Druckers und damit auch verstümmelte Druckdaten, die das Gerät blockieren.
Kein Papierformat, kein Druck: das A4-Problem amerikanischer Drucker
Das klingt nach einer Kleinigkeit, bis es passiert. Manche Drucker, die für den amerikanischen Markt entwickelt wurden, kommen mit dem Standardformat „Letter“ voreingestellt. Das iPad sendet brav ein A4-Dokument, der Drucker erwartet Letter, findet das nicht und verweigert den Druck.
Abhilfe: Am Drucker selbst das Papierformat auf A4 stellen, oft unter Druckeinstellungen, Papierverwaltung oder einem ähnlichen Menü. Die Einstellung bleibt dann erhalten, bis jemand das Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzt.
Fragen im Alltag, die Sie vor dem Drucken klären sollten
Bevor Sie eine ganze Bewerbungsmappe oder 60 Seiten Reiseunterlagen ausdrucken: Testseite. Immer eine einzelne Seite zuerst, vor allem nach einem iOS-Update oder wenn der Drucker länger aus war. iOS-Updates ändern gelegentlich das Verhalten von AirPrint, ohne dass Apple das in den Release-Notes erwähnt. Die Testseite zeigt, ob Farben stimmen, ob der Duplexdruck wie gewünscht greift und ob der Drucker das Papierformat akzeptiert.
Ein weiterer Punkt, den viele ignorieren: Der Energiesparmodus des Druckers. Wenn der Drucker seit zwei Stunden ungenutzt im Stand-by war, dauert das Aufwachen manchmal länger, als das iPad auf eine Antwort wartet. Das Ergebnis: Timeout, Drucker nicht gefunden. Nach dem zweiten Versuch klappt es dann meist. Wer das nicht weiß, startet unnötig Router und Drucker neu.
Wenn man Excel-Tabellen vom iPad aus drucken möchte
Es klingt banal, aber wer regelmäßig mit Office-Dokumenten arbeitet, stößt hier auf Grenzen. Die Dateien-App zeigt Excel-Tabellen in der Vorschau an, aber der Druckdialog übernimmt nicht immer die Formatierung. Spaltenbreiten verschieben sich, Seitenumbrüche sitzen an Stellen, wo sie nicht hingehören.
Die beste Lösung für dieses Problem ist die offizielle Excel-App oder die Integration über Apples Numbers. Numbers importiert XLSX-Dateien recht zuverlässig und gibt Ihnen über das Druckmenü deutlich mehr Kontrolle über die Ausgabe, inklusive der Möglichkeit, Excel-Spalten passend einzufügen und das Layout vor dem Druck anzupassen.
Wer im Büro viel mit Ausdrucken aus Tabellen zu tun hat, sollte sich überlegen, ob eine Excel-Vorlage für die Zeiterfassung auf dem iPad in Numbers importiert und von dort aus direkt gedruckt werden kann. Das spart den Umweg über den Rechner und funktioniert mit AirPrint einwandfrei.
Drucken ohne WLAN: geht das überhaupt?
Ja, aber nur mit Einschränkungen. Die naheliegende Variante: USB. Das iPad hat aber keinen USB-A-Anschluss. Ein Lightning-auf-USB-Adapter oder USB-C-auf-USB-Adapter (je nach iPad-Modell) verschafft Ihnen einen physischen Anschluss, aber Treiber gibt es keine. Das iPad erkennt den Drucker nicht als Drucker.
Bleibt Bluetooth. Einige mobile Drucker, kompakte Fotodrucker etwa, nutzen Bluetooth LE, um direkt mit dem iPad zu kommunizieren. Sie brauchen dann die App des Herstellers, die das Druckprotokoll über Bluetooth abwickelt. Für den Bürodruck mit einem normalen Laserdrucker ist Bluetooth aber keine Option.
Die praktikabelste Lösung für unterwegs: Der Drucker stellt sein eigenes WLAN. Viele Modelle von Canon und HP bieten einen „Wi-Fi Direct“-Modus, bei dem der Drucker ein eigenes Netz aufspannt. Das iPad verbindet sich direkt mit diesem Netz, kein Router dazwischen. Die Hersteller-App findet den Drucker dann, und Sie können drucken. Nachteil: Während der Verbindung mit dem Drucker-WLAN hat das iPad keinen Internetzugang. E-Mails lassen sich also nicht direkt ausdrucken; Sie müssen das Dokument vorher speichern.
Fragen, die immer wieder auftauchen
Kann ich vom iPad aus PDF-Dateien drucken?
Ja, und zwar ohne jede Zusatz-App. Die Dateien-App und Safari können PDFs direkt öffnen und über den Teilen-Dialog an AirPrint schicken. Die Formatierung bleibt erhalten, weil das iPad die PDF-Daten unverändert an den Drucker weitergibt.
Warum wird mein Drucker im iPad-Menü grau angezeigt?
Ein grau hinterlegter Drucker im Auswahlmenü heißt meistens: Das iPad hat den Drucker früher gesehen, findet ihn jetzt aber nicht mehr. Tippen Sie auf den Eintrag, oft aktualisiert sich die Liste dadurch und der Drucker erscheint schwarz. Wenn nicht, WLAN kurz aus- und wieder einschalten.
Kann ich auch ohne AirPrint vom iPad aus drucken?
Ja. Laden Sie die App des Druckerherstellers aus dem App Store. Sie funktioniert mit fast jedem WLAN-Drucker der letzten zehn Jahre, auch wenn dem Gerät die AirPrint-Funktion fehlt. Der Druck erfolgt dann über das herstellereigene Protokoll, nicht über AirPrint.
Verbraucht AirPrint viel Akku?
Nein. Der Druckauftrag wird einmalig gesendet, danach läuft die Kommunikation zwischen iPad und Drucker im Hintergrund auf ein Minimum herunter. Das iPad wacht den Drucker bei Bedarf sogar aus dem Stand-by auf, aber der Akkuverbrauch ist kaum messbar.
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