Es ist Samstagvormittag, Sie kramen in einer alten Kiste und finden einen Stapel CDs. Urlaubsfotos von 2005, die ersten Mixtapes, Treiber für den Drucker, den es schon lange nicht mehr gibt. Nur der aktuelle Laptop hat gar kein CD-Laufwerk mehr, und den alten Tower haben Sie vor Jahren entsorgt. Also doch alles wegwerfen? Nicht nötig. Wir zeigen Ihnen, wie Sie den Inhalt Ihrer CDs auf einen USB-Stick retten, egal ob Daten oder Musik.

Was Sie brauchen, und was nicht

Ein externes CD- oder DVD-Laufwerk ist die einzige Anschaffung, um die Sie kaum herumkommen, wenn Ihr Rechner kein eingebautes Laufwerk mehr hat. Modelle mit USB-Anschluss kosten im unteren Preissegment nur noch wenig und werden von Windows, macOS und Linux ohne Treiberinstallation erkannt. Einfach einstecken, CD einlegen, fertig.

Außerdem brauchen Sie einen USB-Stick mit genügend Speicher. Eine typische Daten-CD fasst 700 MB, eine DVD bis zu 4,7 GB, handelsübliche Sticks sind also selbst bei kleinen Kapazitäten schnell groß genug. Für Musik-CDs gilt dasselbe: Eine Stunde Audio braucht als MP3 etwa 60 bis 100 MB, je nach Qualität.

Software müssen Sie nicht kaufen. Sowohl Windows als auch macOS bringen alles mit, was für das reine Kopieren von Daten-CDs nötig ist. Für Audio-CDs greifen Sie zu den vorinstallierten Media-Playern, die beherrschen das Umwandeln in MP3 seit Jahren zuverlässig. Nur wenn eine CD so zerkratzt ist, dass sie das Laufwerk partout nicht lesen will, lohnt sich der Blick auf spezielle Rettungsprogramme. Mehr dazu später.

Der entscheidende Unterschied: Daten-CD oder Audio-CD?

Bevor Sie loslegen, schauen Sie kurz auf das Etikett der CD. Das entscheidet nämlich, ob Sie einfach Dateien kopieren können oder ob ein zusätzlicher Schritt nötig wird.

Eine Daten-CD verhält sich wie ein externer Datenträger. Sie enthält Dateien und Ordner, genau wie ein USB-Stick. Fotos, Dokumente, alte Software-Installer, alles sichtbar im Explorer oder Finder. Diese Inhalte ziehen Sie per Drag-and-Drop oder mit Kopieren und Einfügen auf den Stick, fertig.

Eine Audio-CD dagegen speichert Musik nicht als einzelne Dateien, sondern als einen durchgehenden Audiostream mit Spuren, die durch einen Index getrennt sind. Wenn Sie den Inhalt einer solchen CD im Explorer öffnen, sehen Sie nur 1-kB-große .cda-Verknüpfungen, aber keine Musikdateien. Ein einfaches Kopieren dieser Verknüpfungen bringt nichts. Sie müssen die CD „rippen“, also die Audiodaten in einzelne, hörbare Dateien wie MP3 umwandeln. Erst diese Dateien lassen sich dann auf dem USB-Stick speichern und von jedem Gerät abspielen.

Im Alltag ist das die häufigste Hürde. Wer eine alte Mix-CD aufs Handy bringen will, scheitert nicht an der Technik, sondern an diesem unsichtbaren Unterschied. Die gute Nachricht: Es dauert keine fünf Minuten, und wir gehen beide Wege Schritt für Schritt mit Ihnen durch.

Daten-CD auf USB-Stick kopieren, Windows

So sichern Sie den Inhalt einer Daten-CD unter Windows, der Vorgang funktioniert in Windows 10 und 11 nahezu identisch.

  1. CD in das Laufwerk einlegen. Nach kurzer Zeit erscheint ein Autoplay-Fenster, schließen Sie es oder klicken Sie auf „Ordner öffnen, um Dateien anzuzeigen“.
  2. Öffnen Sie den Explorer (Windows-Taste + E) und steuern Sie das CD-Laufwerk an. Sie sehen die Ordner und Dateien, die auf der CD gespeichert sind.
  3. Markieren Sie alle gewünschten Inhalte, etwa mit Strg + A für die Gesamtauswahl.
  4. Drücken Sie Strg + C oder wählen Sie im Rechtsklickmenü „Kopieren“. Unter Windows 11 hat Microsoft das Kontextmenü überarbeitet und kompakter gestaltet, die klassischen Befehle finden Sie trotzdem, entweder im schmalen Menü oder über „Weitere Optionen anzeigen“.
  5. Wechseln Sie im Explorer zum USB-Stick, klicken Sie in einen freien Bereich und drücken Sie Strg + V (oder „Einfügen“).

Der Kopiervorgang startet. Die Dauer hängt von der Datenmenge und der Geschwindigkeit des Sticks ab, liegt aber bei einer vollen 700-MB-CD meistens unter zwei Minuten. Danach können Sie die CD auswerfen und den Stick sicher entfernen.

Ein kleiner Hinweis: Legen Sie auf dem Stick am besten einen eigenen Ordner für die CD-Inhalte an, etwa „CD_Sicherung_Mai2026“. Dann wissen Sie später noch, woher die Dateien stammen, und sie vermischen sich nicht mit anderen Daten.

Daten-CD auf USB-Stick kopieren, Mac

Auch unter macOS geht es schnell, und ganz ohne Zusatzprogramme.

  1. Legen Sie die CD ein. Das Symbol erscheint auf dem Schreibtisch und im Finder in der Seitenleiste unter „Geräte“.
  2. Doppelklicken Sie das CD-Symbol, um den Inhalt zu sehen.
  3. Markieren Sie die gewünschten Ordner und Dateien (Cmd + A für alles).
  4. Drücken Sie Cmd + C zum Kopieren.
  5. Klicken Sie in der Seitenleiste auf das USB-Stick-Symbol. Der Stick muss dafür im Finder sichtbar sein, er taucht normalerweise ebenfalls unter „Geräte“ auf.
  6. Drücken Sie Cmd + V. Alternativ ziehen Sie die markierten Dateien mit der Maus vom CD-Fenster auf das Stick-Symbol.

macOS kopiert die Daten und blendet einen Fortschrittsbalken ein. Sobald das Fenster verschwindet, ist der Vorgang abgeschlossen. Werfen Sie die CD über das Auswurfsymbol aus, bevor Sie den Stick abziehen.

Audio-CD rippen und auf USB sichern, Windows

Hier kommt der versprochene Zusatzschritt. Windows bringt mit dem Windows Media Player (Legacy) das passende Werkzeug mit. Die App ist in Windows 10 und 11 standardmäßig vorhanden, auch wenn Microsoft sie zunehmend versteckt.

So wandeln Sie eine Audio-CD in MP3-Dateien um:

  1. Starten Sie den Windows Media Player. Tippen Sie dazu einfach „Media Player“ in die Suche ein und wählen Sie die Desktop-App (nicht die neue Films & TV-Variante).
  2. Legen Sie die CD ein. Das Programm zeigt nach kurzer Zeit die Titelliste an und lädt, wenn möglich, Album- und Titeldaten aus dem Internet nach.
  3. Damit später nicht Windows-Audio-Format (WMA), sondern das universellere MP3 entsteht, stellen Sie vor dem Rippen die Qualität ein. Klicken Sie auf „Organisieren“ > „Optionen“ > Register „Musik kopieren“. Wählen Sie unter „Format“ den Eintrag „MP3“ und schieben Sie die Audioqualität auf mindestens 192 Kbit/s, das ist ein guter Kompromiss zwischen Klang und Dateigröße.
  4. Entfernen Sie gegebenenfalls Häkchen bei Titeln, die Sie nicht übernehmen wollen.
  5. Klicken Sie auf den Button „CD kopieren“. Der Media Player beginnt, die Tracks zu rippen und im Ordner „Eigene Musik“ abzulegen.

Sobald alle Tracks übertragen sind, öffnen Sie den Musikordner (Eigene Musik / den Interpreten-Ordner), markieren die gewünschten MP3-Dateien und kopieren sie auf den USB-Stick, genauso wie im Abschnitt zu Daten-CDs beschrieben.

Die Bordmittel sind für die allermeisten Audio-CDs völlig ausreichend. Nur bei besonders widerspenstigen Exemplaren oder wenn Sie verlustfreie Formate wie FLAC wünschen, lohnt sich ein Tool wie Exact Audio Copy, das wir später kurz streifen.

Audio-CD rippen auf dem Mac

Unter macOS übernimmt die Musik-App (früher iTunes) diese Aufgabe. Der Ablauf ähnelt dem unter Windows, ist aber noch straffer.

  1. Starten Sie die Musik-App. Sie finden sie im Programme-Ordner oder über Spotlight (Cmd + Leertaste, dann „Musik“ eingeben).
  2. Legen Sie die Audio-CD ein. Die App zeigt die Titelliste an und fragt, ob die CD importiert werden soll. Wenn Sie das Fenster nicht sehen, klicken Sie oben in der Menüleiste auf das CD-Symbol.
  3. Bevor Sie importieren, prüfen Sie die Importeinstellungen: Klicken Sie auf „Musik“ > „Einstellungen“ > „Dateien“ > „Importeinstellungen“. Wählen Sie „MP3-Encoder“ und eine Bitrate von mindestens 192 Kbit/s („Hohe Qualität“).
  4. Setzen Sie Haken bei den Titeln, die Sie sichern wollen, und klicken Sie auf „CD importieren“.
  5. Die App wandelt die Tracks um und legt sie in der Mediathek ab. Die Dateien finden Sie später im Finder unter Musik/Music/Media/Music/[Interpret]/[Album]/.

Kopieren Sie die frisch erzeugten MP3-Dateien wie gewohnt auf den USB-Stick, und schon ist die alte CD auf jedem Gerät abspielbar.

Wenn es nicht klappt, Kopierschutz, zerkratzte CDs und andere Stolpersteine

Nicht jede CD lässt sich auf Anhieb auslesen. Zwei Probleme begegnen uns im Alltag besonders häufig.

Kopierschutz: Manche älteren Audio-CDs enthalten einen Kopierschutz, der verhindern soll, dass die CD überhaupt am PC abgespielt, geschweige denn gerippt wird. In Deutschland ist die Umgehung eines wirksamen Kopierschutzes für private Sicherungskopien unter bestimmten Umständen zulässig, die Rechtslage ist aber nicht ganz einfach. Wenn eine solche CD im Laufwerk liegt und nichts geschieht oder kryptische Fehlermeldungen erscheinen, gibt es spezialisierte Tools wie EAC oder dBpoweramp, die mit vielen Sperren umgehen können. Sie brauchen etwas Einarbeitungszeit, aber sie sind eine Option, wenn Ihnen das Material wichtig ist.

Zerkratzte oder verschmutzte CDs: Manche CD sieht schlimmer aus, als sie tatsächlich beschädigt ist. Reinigen Sie die Oberfläche vorsichtig mit einem weichen, fusselfreien Tuch, von innen nach außen, nicht kreisförmig. Hartnäckige Kratzer können Sie mit Politur behandeln, das ist aber eine Bastellösung mit ungewissem Ergebnis. Bessere Chancen haben Sie mit Programmen, die defekte Sektoren mehrfach lesen. Tools wie Roadkil’s Unstoppable Copier oder ddrescue (unter Linux) versuchen, jeden noch lesbaren Block zu retten. Solche Programme setzen allerdings voraus, dass Sie mit Kommandozeilen umgehen können, ein kurzer Einstieg in die Linux-Welt hilft, wenn Windows und macOS an ihre Grenzen stoßen.

Ein alter Tipp, der nichts kostet: Probieren Sie das Lesen in einem anderen Laufwerk. Gerade ältere CD- und DVD-Brenner kommen mit verkratzten Scheiben oft besser zurecht als moderne Slimline-Laufwerke.

Der letzte Feinschliff: Dateiformate und Haltbarkeit

Wenn Sie Ihre Daten endlich auf dem Stick haben, lohnt sich ein kurzer Gedanke an die Zukunft.

Für Musik: MP3 mit 192 Kbit/s reicht für unterwegs und die meisten Bluetooth-Lautsprecher. Wer noch eine HiFi-Anlage besitzt oder die Aufnahmen irgendwann umwandeln will, kann mit FLAC verlustfrei sichern, die Dateien werden dann größer, aber es geht keine Information verloren. Die Musik-App des Mac und der Windows Media Player beherrschen FLAC, Sie müssen nur vor dem Rippen das Format umstellen.

Für Daten: Keine Sorge, die Inhalte einer Daten-CD sind exakt das, was auf der CD steht, es gibt keinen Qualitätsverlust. Achten Sie nur darauf, dass Sie alle Ordner kopieren, nicht nur den sichtbaren Hauptinhalt. Manchmal verstecken sich Treiber oder Hilfsdateien in Unterordnern, die Sie später brauchen.

Was Sie nicht tun sollten: die CD als Image (ISO) auf den Stick ziehen, es sei denn, Sie wissen genau, dass Sie später wieder eine physische CD brennen wollen. Ein ISO-Abbild bringt auf einem USB-Stick im Alltag wenig, weil Sie nicht einfach eine einzelne Datei daraus entnehmen können. Die bewährte Kopie von Datei zu Datei ist für das allermeiste die praktikablere Methode.

Fragen und Antworten

Kann ich auch eine DVD genauso kopieren?

Ja, eine Daten-DVD verhält sich wie eine Daten-CD. Sie kopieren die Dateien genauso per Drag-and-Drop auf den Stick. Der einzige Unterschied: Eine DVD passt mit 4,7 GB oder mehr nicht mehr auf jeden Stick. Achten Sie also auf ausreichend Speicherplatz. Für Video-DVDs mit Menüstruktur gilt dagegen eine andere Logik, die lassen sich nicht einfach durch Kopieren der VOB-Dateien auf dem Fernseher abspielen.

Brauche ich für das Rippen eine spezielle Software?

Nein. Windows Media Player und die Musik-App von macOS beherrschen das Rippen in MP3 standardmäßig. Nur wenn Sie Wert auf exakte Kopien legen (Bit-perfect), zum Beispiel für Archivzwecke, lohnt ein Tool wie Exact Audio Copy oder X Lossless Decoder. Für den Alltag sind die Bordmittel schnell genug und liefern gute Qualität.

Mein USB-Stick wird nicht erkannt, was nun?

Prüfen Sie einen anderen USB-Port, vorzugsweise direkt am Rechner und nicht über einen Hub. Wenn der Stick auch dann nicht auftaucht, testen Sie ihn an einem anderen Gerät. Manchmal hilft es, den Stick in der Datenträgerverwaltung von Windows oder dem Festplattendienstprogramm des Mac zu formatieren, dann gehen aber alle vorhandenen Daten verloren.

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