Es gibt diesen einen Moment, der jedem passiert: Sie halten eine DVD in der Hand, die Sie seit zehn Jahren nicht mehr gesehen haben. Vielleicht eine Hochzeitsaufnahme. Vielleicht die alte Star-Wars-Box mit den Kinofassungen, die es so nie mehr gab. Und Sie denken: Bevor die Scheibe kaputtgeht oder das Laufwerk endgültig den Geist aufgibt, sollte ich das Ding auf die Festplatte kopieren.

Nur: Wie macht man das, ohne dass das Ergebnis aussieht wie ein verwackelter Handy-Mitschnitt aus dem Jahr 2003?

Die Antwort ist kürzer, als man denkt. Mit zwei kostenlosen Programmen und etwas Geduld haben Sie Ihre Sammlung in einem Format, das auf jedem Gerät läuft. Wir gehen das Schritt für Schritt durch, ohne Fachchinesisch, aber auch ohne die Ecken, an denen man Zeit und Qualität verliert.

Die Software, die Sie wirklich brauchen

Das Werkzeug, das seit über einem Jahrzehnt als eine Art Schweizer Taschenmesser für genau diese Aufgabe gilt, heißt MakeMKV. Es ist für private Kopien gedacht und funktioniert unter Windows, macOS und Linux. Einziger Haken: Sie müssen die aktuelle Version von der Hersteller-Website laden, die Liste der Lizenzschlüssel im Forum des Entwicklers finden und den Schlüssel eintragen, damit die Beta-Version weiterläuft. Das klingt umständlich, ist aber in drei Minuten erledigt.

Eine Alternative ist DVDFab oder AnyDVD, aber die sind kostenpflichtig und für das, was die meisten Leute wollen, den Hauptfilm ohne Menüs und Extras sichern, ein massives Overkill. MakeMKV reicht.

Warum nicht einfach die Dateien kopieren?

Wenn Sie die DVD in den Explorer einlegen und die VIDEO_TS-Ordner mit Strg+C und Strg+V auf die Festplatte ziehen, dann bekommen Sie zwar eine Kopie der Dateien. Aber das ist keine abspielbare Sicherung, sondern nur ein Datenhaufen. Viele Abspielprogramme weigern sich, solche Ordnerstrukturen zu öffnen, und der Kopierschutz der DVD wird auch nicht entfernt. Sie brauchen also ein Tool, das die Inhalte entschlüsselt und in einen Container verpackt, den Ihr Player versteht.

Die Sache mit dem Kopierschutz

Hier wird es ärgerlich, juristisch gesehen. In Deutschland ist die Umgehung eines wirksamen Kopierschutzes seit 2003 nicht erlaubt, auch wenn Sie die DVD rechtmäßig besitzen. Das sagen Juristen. Die meisten Privatpersonen sehen das anders und sichern ihre Filme trotzdem. Was Sie tun, bleibt Ihre Entscheidung. Technisch jedenfalls ist der Schutz der allermeisten DVDs ein Witz, ein CSS-Verfahren aus den späten 1990ern. Kein Tool muss dafür groß kämpfen.

Schritt für Schritt: So rippen Sie Ihre erste DVD

  1. Legen Sie die DVD ins Laufwerk. Starten Sie MakeMKV und warten Sie kurz, bis das Programm die Disc eingelesen hat. Es zeigt Ihnen eine Liste mit allen Titeln auf der Scheibe an.
  2. Den Hauptfilm erkennen Sie an der Laufzeit. Er ist in der Regel der längste Eintrag, meist zwischen 90 und 120 Minuten. Bei Serienstaffeln sehen Sie entsprechend mehrere Einträge ähnlicher Länge.
  3. Öffnen Sie den Titel durch einen Klick auf das kleine Dreieck. Dahinter verbergen sich die Tonspuren und Untertitel. Wählen Sie, welche Sie behalten wollen. Die deutsche Tonspur ist oft als solche gekennzeichnet, wählen Sie zusätzlich die Originalfassung, wenn Sie flexibel bleiben wollen. Untertitel zum Einblenden, nicht die zwangsweise eingebrannte Schrift, erkennt das Programm als separate Spur.
  4. Klicken Sie auf das Symbol mit dem grünen Pfeil, um das Rippen zu starten. Das Programm schreibt nun eine MKV-Datei auf Ihre Festplatte. Je nach DVD und Laufwerk dauert das 15 bis 30 Minuten.
  5. Das Ergebnis ist eine einzelne Datei, die Sie mit dem VLC Media Player oder jedem anderen modernen Videoplayer öffnen können. Die Qualität ist identisch mit der DVD, weil das Programm den Videostream nur in einen neuen Container verpackt, nicht neu komprimiert.

💡 Tipp: Speichern Sie direkt auf die Festplatte, auf der die Filme dauerhaft bleiben sollen. Das spart Ihnen den zweiten Kopiervorgang und die MKV-Datei ist sofort am Ziel.

MKV ist nicht immer praktisch, wann Sie weiter konvertieren sollten

Die MKV-Datei, die MakeMKV ausspuckt, ist die DVD in einem einzigen File. Das ist ideal für die Archivierung. Für den Alltag hat das Format aber zwei Nachteile: Es ist groß, und ältere Geräte wie der Fernseher Ihrer Eltern oder Streaming-Boxen der ersten Generation kommen mit MKV manchmal nicht zurecht.

Für diese Fälle nehmen Sie einen zweiten Durchlauf mit Handbrake. Das Programm ist ebenfalls kostenlos und komprimiert die MKV-Datei mit dem H.264- oder neuerdings H.265-Codec. Dabei verkleinern Sie die Datei auf ein Drittel bis ein Viertel der ursprünglichen Größe, ohne dass der sichtbare Unterschied auf einem normalen Fernseher wirklich ins Gewicht fällt.

Die richtigen Handbrake-Einstellungen

Die Voreinstellungen von Handbrake sind für Streaming-Dienste optimiert, nicht für DVD-Rips. Das klingt nach einer Lappalie, führt aber zu verwaschenen Kanten und Farbverlusten. Stellen Sie unter “Video” den Encoder auf “H.264 (x264)”, die Qualität auf “RF 20” oder “RF 18” für fast verlustfreie Ergebnisse. RF 18 braucht mehr Platz, liefert aber das schärfere Bild auf einem großen Bildschirm.

Unter “Audio” belassen Sie die deutsche Spur als Passthrough, also unkomprimiert. Gleiches gilt für die Untertitel: Wählen Sie “Burn In” nur dann, wenn Sie sicher sind, dass Sie den Text immer eingeblendet haben wollen.

Ein durchschnittlicher Spielfilm landet mit diesen Einstellungen bei 1,5 bis 2,5 GB, je nach Länge und Bildinhalt. Zeichentrickfilme komprimieren übrigens stärker als Realfilme, weil große einheitliche Flächen vom Codec einfacher zu verarbeiten sind. Das ist einer dieser Umstände, die einem erst auffallen, wenn man die Platine schon voll hat.

Das Problem mit den Serienboxen

Eine Serienstaffel zu rippen dauert länger als die gleiche Laufzeit eines einzelnen Films. Der Grund ist absurd banal: Sie müssen jeden Eintrag in der Titelliste einzeln anklicken, die Tonspuren und Untertitel auswählen und den Dateinamen vergeben. Bei einer Staffel mit 22 Folgen sind das 22 Durchgänge.

Ein Bypass dafür ist die Stapelverarbeitung in Handbrake: Sie rippen alle Folgen mit MakeMKV in einzelne MKV-Dateien, werfen sie gemeinsam in die Handbrake-Warteschlange und lassen den Rechner den Rest erledigen. Für den Job brauchen Sie Zeit, aber kaum Ihre Aufmerksamkeit.

Welches Format taugt für die Ewigkeit

Die Architekten unter den Sammlern greifen zu ISO-Abbildern. Ein ISO ist ein exaktes Abbild der gesamten DVD, inklusive Menüs, Extras und aller Tonspuren. Mit einem Programm wie ImgBurn erstellen Sie in wenigen Minuten eine 1:1-Kopie, die Sie später auf eine leere DVD zurückschreiben oder mit dem VLC-Player als virtuelle Disc mounten können.

Der Nachteil liegt auf der Hand: die Größe. Eine doppellagige DVD bringt es auf 8,5 GB, und das für einen einzigen Film. Eine Sammlung von 100 Filmen sprengt damit jedes Budget für Festplatten. Außerdem brauchen Sie immer einen Player, der mit ISO-Dateien umgehen kann, was bei Smart-TVs seltener der Fall ist, als man hoffen würde.

Der Kompromiss für die Praxis

Die pragmatischste Lösung für die meisten Menschen ist eine Mischung: Sie rippen den Hauptfilm als MKV und sichern die DVD zusätzlich als ISO auf einer externen Festplatte, die Sie im Schrank liegen haben. Sollte die Scheibe mal kaputtgehen, brennen Sie die ISO einfach neu. Der MKV-Alltagsgebrauch läuft parallel dazu auf dem NAS oder der internen Platte. Das ist doppelte Arbeit, aber auch doppelte Sicherheit.

Wenn das Laufwerk streikt

Ein häufiges Szenario: Sie haben die DVD eingelegt, das Laufwerk surrt, aber MakeMKV zeigt nichts an. Oder bricht nach zehn Minuten ab und meldet einen Lesefehler. In den meisten Fällen liegt das an einer zerkratzten oder verschmutzten Oberfläche. Ein beherzter Zug mit einem Mikrofasertuch von der Mitte nach außen, niemals in Kreisbewegungen, reicht oft aus, damit die Laser-Einheit die Daten wieder findet.

Hartnäckigere Fälle verlangen nach einem anderen Laufwerk. Nicht jedes Modell kommt mit jeder Pressung gleich gut zurecht. Gerade externe USB-DVD-Laufwerke, die in den letzten Jahren im Preis gefallen sind, lesen verlustfreundlicher als die um zehn Jahre gealterte Buchse in einem alten Desktop-Rechner.

Für stark verkratzte Scheiben, bei denen die Daten wirklich nicht mehr vollständig gelesen werden können, bleibt nur der Umweg über ddrescue unter Linux. Das ist ein Kommandozeilen-Tool, das Sektoren mehrfach ansteuert und fehlende Bereiche mit einem Platzhalter füllt. Das resultierende Video hat dann Aussetzer, aber zumindest ist der Rest des Films nicht verloren. Ein Werkzeug für den schlimmsten Fall, und keines für den entspannten Feierabend.

⚠️ Achtung: Reinigen Sie DVDs nie mit Alkohol oder aggressiven Reinigern. Die Polycarbonat-Schicht wird trüb und die Disc ist endgültig ruiniert. Nur ein weiches Tuch und destilliertes Wasser, mehr nicht.

Der richtige Speicherort

Eine Bibliothek aus gerippten DVDs braucht eine Heimat. Die einfachste ist eine externe USB-Festplatte, die bei Amazon für etwa 50 Euro pro Terabyte über den Tresen geht. Das Problem dabei: Die Platte liegt entweder am Rechner oder am Fernseher, aber nie an beiden gleichzeitig. Sie müssen also entweder umstecken oder mit dem Laptop am Fernseher sitzen.

Der elegantere Weg ist ein NAS, ein Netzwerkspeicher, der permanent im Heimnetz hängt. Mit Plex oder Jellyfin richten Sie darauf einen Medienserver ein, der Ihre gesamte Sammlung mit Coverbildern, Beschreibungen und Schauspielern anreichert und auf jedes Gerät im Netzwerk streamt. Das ist das dezentrale Netflix, das Sie selbst betreiben.

Ein Mini-PC mit einem 2-TB-SSD kostet Sie unter 200 Euro und schluckt im Leerlauf nur ein paar Watt. Das ist billiger als jede Abobox über zwei Jahre gerechnet. Und es ist Ihre Sammlung, nicht die von irgendeinem Konzern, der morgen die Lizenz verliert und den Film stillschweigend löscht.

Das richtige Filesystem

Auf einer externen Platte, die nur an Windows-Rechnern hängt, ist NTFS das Filesystem der Wahl. Für ein NAS greifen Sie zu ext4 oder Btrfs, wenn Sie Linux betreiben. Das sind technische Details, aber sie werden wichtig, wenn eine Datei plötzlich mehr als 4 GB hat, denn FAT32, das alte Format vieler USB-Sticks, versteht solche Dateigrößen nicht und verweigert das Schreiben. Die Fehlermeldung, die Sie dann bekommen, lautet “Die Datei ist zu groß für das Zielsystem”, und das nach 20 Minuten Rip-Zeit. Fragen Sie mich nicht, woher ich das weiß.

Direkt am Fernseher, ohne Computer

Manche Fernseher können DVDs direkt an einen angeschlossenen USB-Speicher rippen. Das ist eine Funktion, die vor etwa zehn Jahren in der oberen Mittelklasse auftauchte und heute nur noch in wenigen Geräten steckt. Wenn Ihr Fernseher einen optischen Ausgang hat, können Sie es versuchen: DVD einlegen, USB-Platte anstecken und im Menü nach der Option “Aufnahme” oder “Kopie” suchen. Die Bedienung ist oft umständlich, und das resultierende Dateiformat variiert von Hersteller zu Hersteller. Aber es erspart Ihnen den Umweg über den PC.

Der größte Nachteil dieser Methode ist, dass der Fernseher in der Regel auf die eingebaute Kopierschutzumgehung seines eigenen Tuners zurückgreift, was zu inkonsistenten Ergebnissen führt. Manchmal ist der Ton nur in Stereo, manchmal fehlen die Untertitel, manchmal verweigert das Gerät die Aufnahme mit der Begründung, die Disc sei geschützt. Eine verlässliche Lösung ist das nicht, eher eine Notlösung für jemand, der partout nichts mit Computern zu tun haben will.

Fragen und Antworten

Nein, wenn die DVD einen Kopierschutz hat. In Deutschland verbietet § 95a UrhG die Umgehung wirksamer Kopierschutzmaßnahmen, auch für private Zwecke. DVDs ohne Kopierschutz dürfen Sie privat vervielfältigen. Die Rechtslage ist eindeutig, auch wenn sie selten durchgesetzt wird.

Welche Software eignet sich für Blu-rays?

MakeMKV kann auch Blu-rays rippen, allerdings stoßen Sie hier auf einen stärkeren Kopierschutz namens AACS. Die Lizenzschlüssel des Herstellers unterstützen auch Blu-ray-Entschlüsselung, die Beta-Version läuft jedoch in der Regel nur 30 Tage kostenfrei. Danach brauchen Sie einen Kauf oder einen neuen Schlüssel aus dem Forum.

Kann ich eine gerippte DVD wieder auf eine leere Disc brennen?

Ja, wenn Sie die ISO-Datei mit ImgBurn oder dem Bordbrennprogramm von Windows auf einen DVD-Rohling schreiben. Achten Sie auf die Kapazität: Ein normaler Rohling fasst 4,7 GB, ein doppellagiger 8,5 GB. Die ISO muss kleiner sein. Für MKV-Dateien gilt das nicht, die können Sie nicht direkt brennen, sondern müssen sie zuerst mit einem Authoring-Programm wie DVDStyler in das DVD-Format zurückwandeln.

Was tun, wenn die DVD beim Rippen hängt?

Reinigen Sie die Scheibe, probieren Sie ein anderes Laufwerk, wechseln Sie den USB-Port, wenn es ein externes Laufwerk ist. Manchmal hilft es auch, das Laufwerk mit einem beherzten, aber nicht brutalen Ruck gerade hinzustellen, leichte Verkantungen des Laufwerks können den Lesekopf aus der Spur bringen. Klingt ein bisschen nach Aberglauben, aber es hat schon vielen Leuten geholfen.

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