Es ist Samstagnachmittag, das neue iPhone liegt ausgepackt auf dem Tisch. Sie wollen es sofort einrichten, aber die Meldung « iCloud-Speicher voll » durchkreuzt den Plan. Kein Backup in der Cloud, keine Geduld für 5 Gigabyte Gratisspeicher, der ohnehin nie reicht. Die gute Nachricht: Für die Datenübertragung von iPhone zu iPhone brauchen Sie kein iCloud-Abo. Die direkte Migration per Kabel oder WLAN ist nicht nur kostenlos, sie überträgt Ihre Daten oft schneller, als es eine iCloud-Wiederherstellung könnte, vorausgesetzt, Sie kennen die drei entscheidenden Stolperfallen.
Die erste heißt Zeitdruck. Wer den Einrichtungsassistenten wegklickt, weil er es eilig hat, überspringt oft die zuverlässigste Methode. Die zweite Falle ist das mobile Datenvolumen: Ein volles 256-Gigabyte-iPhone über LTE wiederherzustellen, dauert nicht nur ewig, es frisst auch das Monatskontingent auf. Und die dritte Falle ist die Annahme, dass alle Apps mitsamt ihren Anmeldedaten von selbst folgen. Das tun sie nicht immer. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihr neues iPhone in Betrieb nehmen, ohne dass Ihre Daten auf halber Strecke verloren gehen.
Schnellstart: Das eingebaute Tool, das den Umzug fast allein schafft
Seit iOS 12.4 gibt es die Funktion, die Apple schlicht « Schnellstart » nennt. Sie verbindet beide iPhones direkt, per WLAN oder per Kabel, und kopiert Daten, Einstellungen und den Homescreen auf das neue Gerät. iCloud bleibt dabei komplett außen vor. Das alte iPhone muss eingeschaltet sein, Bluetooth und WLAN aktiviert, und Sie brauchen die Apple-ID samt Passwort. Mehr nicht.
Der Ablauf ist denkbar einfach. Schalten Sie das neue iPhone ein und legen Sie es neben das alte. Auf dem alten iPhone erscheint eine weiße Karte mit einem blauen Animation-Muster. Dieses Muster scannen Sie mit dem neuen iPhone, ähnlich wie beim Koppeln einer Apple Watch. Danach folgen die üblichen Schritte: Apple-ID bestätigen, Gerätecode des alten iPhones eingeben, Datenschutzeinstellungen zustimmen. Das neue iPhone beginnt dann, die Daten zu ziehen.
Was die wenigsten wissen: Seit dem iPhone 15 kann man beide Geräte auch physisch mit einem USB-C-auf-Lightning-Kabel verbinden. Das ist nicht nur schneller, es unterbricht auch nicht, wenn das WLAN kurz schwächelt. Wer viel Fotomaterial oder große Apps wie Spiele migriert, sollte das Kabel nutzen. Die Geschwindigkeit liegt im Kabelmodus etwa beim Doppelten der WLAN-Variante, was bei vollen Speichern den Unterschied zwischen einer Stunde und einem ganzen Nachmittag macht.
Warum der Akkustand während der Migration über Erfolg oder Frust entscheidet
Ein Detail, das in keinem Apple-Supportdokument prominent steht: Beide iPhones sollten während der gesamten Übertragung am Ladegerät hängen. Die Schnellstart-Funktion zieht je nach Datenmenge zwischen 20 Minuten und zwei Stunden Strom, und sie läuft im Vordergrund. Sinkt der Akku unter einen kritischen Schwellenwert, etwa 10 Prozent, pausiert der Vorgang. Manchmal bricht er ganz ab, und Sie stehen mit einem halb eingerichteten neuen iPhone da. Das nervt. Schließen Sie beide Geräte an, bevor Sie beginnen.
Wenn das alte iPhone voll ist: Der Umweg über den Computer als sicherer Hafen
Der Schnellstart setzt voraus, dass das alte iPhone noch funktioniert und genug freien Speicher hat, um die Migration vorzubereiten. Wenn der Speicher jedoch randvoll ist, typisch bei 64-GB-Modellen, die jahrelang Fotos und Podcasts gesammelt haben, kann der Prozess haken. Das System braucht ein paar hundert Megabyte Luft, um temporäre Dateien anzulegen. Fehlt dieser Platz, bleibt der Bildschirm bei « Daten werden übertragen » hängen, ohne dass eine Fehlermeldung erscheint.
In diesem Fall wechseln Sie auf die PC-Methode. Am Mac mit macOS Catalina oder neuer öffnen Sie den Finder, klicken auf das alte iPhone und wählen « Backup jetzt erstellen ». Wichtig: Aktivieren Sie « Lokales Backup verschlüsseln », sonst fehlen später die Gesundheitsdaten und gespeicherte WLAN-Passwörter. Das Verschlüsselungskennwort sollten Sie sich notieren, das ist kein optionaler Hinweis, sondern bittere Notwendigkeit, denn ohne dieses Kennwort ist das Backup wertlos.
Am Windows-PC nutzen Sie iTunes in der aktuellen Version. Der Ablauf ist identisch: Gerät vertrauen, Backup verschlüsseln, warten, bis der Fortschrittsbalken durchgelaufen ist. Ein verschlüsseltes lokales Backup enthält auch sensible Daten wie die Aktivitäts-App-Historie, HomeKit-Konfigurationen und gespeicherte Mail-Passwörter, alles Dinge, die ein unverschlüsseltes Backup schlicht ignoriert.
Anschließend schließen Sie das neue iPhone am selben Computer an und klicken auf « Backup wiederherstellen ». Das System kopiert alles zurück, von den Klingeltönen bis zur Anordnung der Apps auf dem Homescreen. Der Vorteil gegenüber dem Schnellstart: Sie brauchen das alte iPhone nicht mehr, sobald das Backup erstellt ist. Der Nachteil: Ein komplettes Backup kann bei großen Speichern mehrere Stunden dauern, und der Computer sollte währenddessen nicht in den Ruhezustand fallen.
Datenschutz beim Computer-Backup: Was lokal gesichert wird und was nicht
Ein lokales Backup speichert fast alles. Fotos, Nachrichten, App-Daten, Einstellungen. Zwei Dinge fehlen: Inhalte aus iCloud-Fotomediathek und Apple-Musik-Downloads, sofern diese nicht in der Mediathek auf dem Gerät gespeichert sind. Das ist kein Bug, sondern Apples Design, die Firma geht davon aus, dass Cloud-Inhalte nach der Anmeldung wieder verfügbar sind. Wer Fotos ausschließlich in der iCloud hat und diese vor dem Löschen des alten Geräts sichern möchte, muss sie vorher manuell auf den Computer exportieren.
WhatsApp, Signal und Co.: Die hartnäckigste Falle der iPhone-Migration
Der Schnellstart und das lokale Backup übertragen die meisten App-Daten zuverlässig. Aber WhatsApp tanzt aus der Reihe. Die Chat-Historie liegt standardmäßig nur auf dem Gerät, nicht auf dem WhatsApp-Server. Wer WhatsApp auf dem neuen iPhone öffnet, ohne vorher ein Backup einzuspielen, findet einen leeren Chat-Verlauf vor. Das passiert erstaunlich oft.
Die Lösung liegt innerhalb der WhatsApp-App selbst und benötigt keinen Computer. Öffnen Sie WhatsApp auf dem alten iPhone, gehen Sie zu « Einstellungen », dann « Chats », dann « Chat-Backup ». Tippen Sie auf « Backup jetzt erstellen » und wählen Sie einen Speicherort, standardmäßig iCloud, aber das ist nicht die einzige Möglichkeit. Wenn Sie iCloud vermeiden wollen, bleibt das lokale iTunes-Backup als Umweg: Das WhatsApp-Backup wird dann Teil des gesamten iPhone-Backups und mit diesem zusammen auf das neue Gerät gespielt.
Bei Signal ist der Vorgang ähnlich. Die App speichert Chats in einem verschlüsselten Container. Um sie auf ein neues iPhone zu bekommen, müssen Sie in den Signal-Einstellungen die Übertragungsfunktion auslösen, während beide Geräte in der Nähe sind. Ohne diesen Schritt sind die Chats verloren. Das Gleiche gilt für Telegram, mit dem Unterschied, dass dort viele Chats serverseitig liegen und automatisch wieder auftauchen, sobald Sie sich anmelden. Die Faustregel: Messenger-Apps vor dem Wechsel prüfen. Zehn Minuten Extrasorgfalt ersparen stundenlange Frustration.
WLAN oder Kabel: Welche Verbindung beim Umzug die bessere Wahl ist
Die Schnellstart-Funktion bietet beide Wege an. Drahtlos per WLAN oder per Kabel mit einem passenden Adapter. Die Frage ist nicht theoretisch, bei vollen iPhones liegen Welten zwischen den Übertragungsgeschwindigkeiten. Kabel liegt in unseren Tests in der Regel um den Faktor 1,5 bis 2 vorn. Ein iPhone mit 200 Gigabyte belegtem Speicher braucht über WLAN etwa zwei bis drei Stunden. Über Kabel ist es in einer Stunde durch.
Das Kabel-Menü erscheint übrigens nicht automatisch. Sie müssen beide iPhones miteinander verbinden, bevor der Schnellstart beginnt. Nutzen Sie das Ladekabel des alten iPhones und einen passenden Adapter, für Lightning auf USB-C gibt es Adapter für wenige Euro. Das neue iPhone erkennt die Verbindung und schaltet automatisch in den Kabelmodus. Einziger Wermutstropfen: Apple unterstützt diese Funktion nur mit Originalzubehör oder MFi-zertifizierten Kabeln. Billige No-Name-Kabel werden oft nicht erkannt.
Für die meisten Nutzer ist WLAN jedoch völlig ausreichend. Die Übertragung läuft stabil, solange das WLAN-Signal stark ist und beide Geräte nebeneinander liegen. Probleme entstehen fast immer durch eine der beiden typischen Unterbrechungen: Das alte iPhone verliert die WLAN-Verbindung, oder der Bildschirm schaltet sich ab und unterbricht den Prozess. Beides verhindern Sie, indem Sie die automatische Bildschirmsperre auf « Nie » stellen und beide Geräte während der Übertragung nicht anfassen.
Nach der Übertragung: Drei Kontrollen, die wirklich zählen
Das meiste funktioniert sofort. Bank-Apps, E-Mail-Konten, selbst die WLAN-Passwörter sitzen meist nach der Migration. Aber auf drei Dinge sollten Sie einen Blick werfen, und zwar bevor Sie das alte iPhone löschen.
Erstens: Apple Pay. Die Karten aus der Wallet sind nach der Migration aus Sicherheitsgründen deaktiviert. Öffnen Sie die Wallet-App, tippen Sie auf jede Karte und authentifizieren Sie sie erneut. Meist reicht eine SMS-TAN der Bank. Zweitens: Die eSIM. Die physische SIM-Karte ist einfach umgesteckt, aber eine eSIM wandert nicht automatisch auf das neue iPhone. Scannen Sie den QR-Code Ihres Mobilfunkanbieters erneut oder nutzen Sie die eSIM-Übertragung, falls Ihr Anbieter das unterstützt. Drittens: Die Zwei-Faktor-Authentifizierungs-Apps. Google Authenticator, Microsoft Authenticator und ähnliche übertragen ihre Konfiguration nicht mit der Migration. Sie müssen diese Codes manuell umziehen, indem Sie die Konten in der App auf das neue Gerät übertragen.
Was Sie vom alten iPhone vor dem Löschen abziehen müssen
Neben den eSIM- und Auth-Codes gibt es eine Handvoll weiterer Dinge, die nicht Teil der Migration sind. Dazu gehören Bluetooth-Kopplungen zu Nicht-Apple-Geräten wie Hörgeräten, günstigen Fitness-Trackern oder der Freisprecheinrichtung im Auto. Koppeln Sie diese Geräte nach der Migration manuell neu. Auch gespeicherte Drucker oder WLAN-Speichersticks gehen verloren. Und wenn Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung für Ihre Apple-ID über ein anderes Gerät laufen lassen, prüfen Sie, ob dieses Gerät noch erreichbar ist. Sonst sperren Sie sich nach dem Löschen des alten iPhones selbst aus.
Häufige Fragen
Werden auch meine App-Passwörter und Logins übertragen?
Die meisten ja. Der iCloud-Schlüsselbund überträgt gespeicherte Benutzernamen und Passwörter mit dem Schnellstart. Voraussetzung ist, dass Sie die Option « iCloud-Schlüsselbund » auf dem alten iPhone aktiviert haben. Ohne Schlüsselbund fehlen nach der Migration sämtliche Logins in Apps und auf Webseiten. Prüfen Sie das unter « Einstellungen », « Apple-ID », « iCloud », « Passwörter und Schlüsselbund ». Ein lokales Computer-Backup hingegen sichert diese Daten nur, wenn Sie « Backup verschlüsseln » aktiviert haben.
Kann ich ein Android-Telefon auf ein iPhone umziehen, ohne iCloud zu benutzen?
Ja, Apple bietet die App « Move to iOS » im Google Play Store an. Sie überträgt Kontakte, Nachrichten, Fotos, Videos, Web-Lesezeichen und Mail-Konten direkt per WLAN. iCloud wird dabei nicht angerührt. Die App funktioniert während der Einrichtung des iPhones, bevor der Homescreen erscheint. Einschränkung: Apps, Musik und einige Einstellungen schafft sie nicht über die Grenze. Die müssen Sie manuell nachinstallieren.
Was passiert, wenn der Speicher auf dem neuen iPhone kleiner ist als auf dem alten?
Die Migration schlägt dann nicht fehl, sondern bietet Ihnen an, eine Auswahl zu treffen. Apps, Fotos und andere große Datenblöcke lassen sich abwählen. Das ist der entscheidende Unterschied zur iCloud-Wiederherstellung, die stur alles herunterlädt und abbricht, wenn der Speicher nicht reicht. Tipp: Vor der Migration auf dem alten iPhone unter « iPhone-Speicher » prüfen, welche Apps den meisten Platz belegen, und große Videos mit einer Mac-App wie Image Capture manuell sichern, bevor Sie sie vom iPhone löschen.
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