“Wir brauchen Tausende mehr wie ihn.”–das Netz auf den NSA-Whistleblower Edward Snowden

Während das Hochwasser Mitteldeutschland tief im Griff hat, die Medienlandschaft gegen Telekom und für Netzneutralität kämpft und die Apple-Jünger die Entwicklerkonferenz von Apfelkonzern verfolgen, ist in den letzten Tagen etwas passiert, was aus meiner Sicht nicht nur richtig ist, sondern unglaublich viel Respekt verdient.

prism

Meine Rede ist von dem NSA-Skandal rund um PRISM, einem als streng geheim eingestuftes Programm, welches von der US-amerikanischen National Security Agency, kurz NSA, geführt wurde. Die NSA ist die größte nationale Sicherheitsbehörde der USA und überwacht, entschlüsselt und wertet jegliche Kommunikation und Übertragung von Daten aus. Allerdings nur dort, wo sie auch wirklich Zugriff bekommt. Vor wenigen Tagen kam nun ans Licht, dass PRISM, welches seit 2007 besteht, auch Daten direkt von Microsoft/Skype, Google, Facebook, Yahoo!, Apple und AOL anzapft und auswertet. Die großen Konzerne hatten zwar schnell eine Verteidigung zur Hand und dementierten jegliche Zusammenarbeit bzw. “offene” Kommunikation mit PRISM, aber ein kleiner Beigeschmack bleibt schon noch.

Hintergrund hinter PRISM ist schlussendlich eigentlich nur die Terrorabwehr. Zeigt ein Nutzer der großen Internet-Dienste zum Beispiel Aktivitäten zu Terrornetzwerken oder sonstig schlimmen Kreisen, so soll, laut vorliegenden Berichten, ein NSA-Analyst sofortigen und vor allem vollständigen Zugriff auf die Konten bekommen. Heilige Maria, wenn das unsere Hamburger Datenschutz-Beauftragten wüssten!!!

Aber wie sind die Daten eigentlich in die Öffentlichkeit gelangt?

Nicht etwa durch Wiki-Leaks, sondern durch das “beherzte” Eingreifen eines einzigen Menschen. Diese Person nennt sich Edward Snowden und wurde nicht etwa enttarnt, sondern hat sich selber gestellt und sich der Öffentlichkeit Preis gegeben.

edward snowden

Wer ist dieser Edward Snowden und warum tut er das?

Edward Snowden´s beruflicher Werdegang liest sich für mich wie ein Traum. CIA und NSA sind da nur der Gipfel des ganzen. Umso mehr hat dieser Mensch allerdings auch gesehen und weiß wovon er spricht.

"Ich bin nur ein ganz normaler Typ ohne besondere Fähigkeiten, der jeden Tag in seinem Büro sitzt und sieht, was passiert."

– Zitat aus dem Spiegel

Aber er will nicht, dass die Menschen hintergangen werden und hat sich somit öffentlich hingestellt und ein paar Infos preisgegeben, welche eigentlich nicht für die Masse gedacht war. Aber es ist gut, dass wir es erfahren haben. Snowden weiß sicherlich viel mehr, aber er tut niemandem weh und macht auch kein Leid auf, sondern er klärt lediglich über den offenen bzw. gar nicht vorhandenen Datenschutz zwischen den großen Internetkonzernen und dem Überwachungsprogramm PRISM auf.

Derzeit sitzt Snowden in Hongkong in einem Hotel und hat sich losgesagt von seiner Freundin, seinen Freunden, seiner beruflichen Karriere und vielleicht sogar seinem Leben.

Und dafür erntet er nicht nur von mir viel Stolz und Respekt, sondern auch im Netz machen sich andere für ihn stark.

John Perry Barlow, Gründer der EFF, schreib zum Beispiel auf Twitter, dass Snowden “ein furchtloser amerikanischer Patriot” wäre oder Cory Doctorow sagte einfach nur “Danke, Edward Snowden” oder Ethan Zuckerman, Blogger und Direktor des Center for Civic Media am MIT zu Boston twittert: “Ich bin beeindruckt von Snowdens Sorgfalt, nur bestimmte Dokumente weiterzugeben, um Systeme bloßzustellen ohne einzelne Menschen zu gefährden.”.

 

prism auf twitter

 

Nichtsdestotrotz werden sich vermutlich gerade die chinesischen Behörden und auch das CIA ein Rennen liefern, wer Snowden als erstes findet. Der Schritt, an die Öffentlichkeit mit (s)einem Gesicht zu gehen, ist nicht nur mutig sondern vermutlich auch ein kluger Schachzug, um nicht heimlich, still und leise von jemandem um die Ecke gebracht zu werden. Denn der Shitstorm wäre gewaltig, wenn Snowden jetzt etwas zustoßen würde! Zudem will Snowden endlich aufklären, was die Mächtigen für Kontrolle haben und hofft in Hongkong wenigstens eine Weile auf dem Trockenen zu sitzen. Denn mir wäre neu, wenn die Verhältnisse China zu USA rosig aussehen würden.

Getwittert wird übrigens weiterhin fleißig, denn der Fall kommt ja soeben erst ins Rollen. So könnt ihr unter dem Hashtag #IStandWithEdwardSnowden eigene Posts veröffentlichen oder einfach nur eine Runde folgen. Weitere Personen, die sich bereits geäußert haben und ihren Respekt gezollt haben, sind unter Anderem Anonymous, Peter Sunde (Flattr), Emma Gilbey Keller und Nicholas Kristof.

Fazit!

Wer jetzt sein Google- oder Microsoft-Konto löschen will, der darf das gerne machen. Es sei ihm aber gesagt, dass das alles eigentlich gar nicht neu ist. Ich kläre zum Beispiel seit meiner ersten Interneterfahrung immer darüber auf, dass amerikanische Konzerne nun mal nicht deutschem Recht unterliegen, sondern dem amerikanischen. Und diese gehen etwas freier um mit ihren Daten. Freilich ist das nicht dafür gedacht, dass eine staatliche Organisation sich Zugriff verschafft und dich auf die Fahndungsliste vom FBI für Terrorverdächtigte setzt, nur weil du das Wort Bombe, Waffe und Opfer in einem Atemzug geschrieben hast. Aber man sollte generell aufgeklärt genug sein, dass das Internet eine unkontrollierte Spielwiese ist, wo nicht nur Blümchen wachsen, sondern auch Kakteen.

Wie gehen wir aber damit in Zukunft um?

Wenn ihr ganz sicher gehen wollt, dann müsst ihr in Zukunft auf deutsche bzw. europäische Dienste setzen, denn diese haben mehr Datenschutz und strengere Regeln, als es bei den US-Amerikanern der Fall ist. Nichtsdestotrotz werde ich nun weder Google noch Microsoft noch sonst wem den Rücken kehren, denn mir gefallen die Dienste und ich bin nun mal selber dafür verantwortlich was ich wie und wo ins Netz stelle und wenn ich das von mir aus schon nicht beherrsche, dann mache ich es Behörden auch nicht wirklich schwer mich auszuspionieren und mein Leben zu kennen!

Kurzes Schlussfazit also…

Das Internet ist kein anonymer Raum! Bewege dich darin, wie auf der Straße und zeige nur Menschen etwas, wenn du es ihn auch auf der Straße zeigen würdest. Und wenn es gute europäische oder deutsche Alternativen gibt, dann wechsle zu diesen und unterstützte diese. Zudem kannst du immer aktiv werden mit nur einem Mausklick, wie bei der Petition für den Erhalt der Netzneutralität.

Denn ohne dich funktioniert das Internet nicht! Du bist ein Nutzer und gleichzeitig ein wichtiger Behüter unserer digitalen Freiheit!

 

(Inspiriert durch Basic Thinking)