Wie geht eigentlich eSports? Ein Team gründen

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Es ist kein Geheimnis, dass die großen eSports Teams mittlerweile gut von ihrem Hobby leben können. Die Top 50 der weltweiten Teams können mittlerweile auf beachtliche Gesamteinnahmen zwischen 1 Millionen und knapp 20 Millionen US-Dollar je Team zurückblicken. Interessant ist zu sehen, dass der Spitzenreiter, Team Liquid mit mehr als 18 Millionen Dollar Einnahmen seit ihrer Gründung zum Erreichen dieses kumulierten Preisgeldes 1.113 Turniere spielen musste, während der Neuling Wings Gaming mit gerade einmal 22 Turnieren bereits Gesamteinnahmen von knapp 10 Millionen Dollar erzielen konnte. Der Grund dafür liegt in dem enormen Anstieg der Preisgelder bei Turnieren. Spitzenreiter ist derzeit das 24 Millionen Dollar schwere Turnier in Seattle The International 2017.

Bei diesen Größenordnungen mag sich der eine oder andere die Frage stellen: Wie geht eigentlich eSports und wie gründet man ein eSports-Team? Vorweg sei erwähnt, dass man es im eSports-Bereich – obgleich es der eine oder andere mit Spaß und Freizeit verbindet – nicht ohne gute Projektplanung und Professionalität zum Spitzensportler, geschweige denn Spitzenverdiener schaffen kann.

Clans, Vereine und Teams

ESports-Teams schießen wie Pilze aus dem Boden und es gibt immer mehr alteingesessene Sportvereine, die sich zur Gründung eines eSports-Clans entscheiden. Traditionell entwickelten sich die eSports-Clans aber aus LAN-Parties, auf denen gemeinsam gespielt wurde. Insbesondere bei LAN-Klassikern wie Counterstrike sind die meisten Teams nationale Teams, die aus Spielern bestehen, die sich von LAN-Parties kennen. In neueren Spielen wie Dota2, LoL oder auch Overwatch geht der Trend aber hin zum internationalen Team, denn die Squads dieser überwiegend online gespielten Spiele akquirieren schlichtweg die besten Spieler aus aller Welt, um oben mitspielen zu können.

Fußballvereine im eSports

Vorreiter war hier der FC Schalke 04, der das ehemalige Team Elements für sich gewinnen konnte, sodass die Knappen in League of Legends fortan unter weiß-blauer Flagge spielen. Zusätzlich ist Schalke 04 – wie könnte es anders sein – auch in Fifa vertreten. Mittlerweile sind aber längst auch andere Vereine wie der VfL Wolfsburg, RB Leipzig oder auch der VfL Bochum, der VfB aus Stuttgart oder auch der 1. FC Nürnberg bei FIFA vertreten. International decken Vereine wie der FC Valencia, Paris Saint-Germain oder auch die drei Proficlubs aus Istanbul auch andere eSports-Spiele neben Fifa wie beispielsweise League of Legends oder Hearthstone ab. Man könnte also sagen, die Fußballbranche erobert den eSports-Markt mit eigenen Gaming-Abteilungen.

Profi-Teams

Im Gegensatz zu Südkorea, wo eSports bereits seit Ende der 80er Jahre in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, müssen die westlichen Länder noch viel nachholen. Zwar wird eSports bei den nächsten olympischen Spielen vertreten sein und bei großen Buchmachern lässt sich seit einigen Jahren auch auf eSports wetten, der Unterschied zum traditionellen Sportarten ist aber noch gewaltig. So handelt es sich bei den meisten Teams, auf die im professionellen Gaming gewettet werden kann, um klassische CS-Clans wie Evil Geniuses, wie man bei Betway, einem der Vorreiter unter den eSports-Buchmachern, sehen kann. Aber es rücken auch immer mehr jüngere Clans wie Cloud9 oder Overwatch-Clans in den Fokus, denn mittlerweile kann man nicht mehr nur auf die ESL CS-Liga wetten, sondern auch auf die Overwatch League, Dota2, League of Legends, Hearthstone oder King of Glory. Insbesondere bei großen Turnieren wie dem International werden mittlerweile eine beachtliche Anzahl an Wetten abgeschlossen, woran sich gut erkennen lässt, dass das öffentliche Interesse steigt und der Sport immer mehr anerkannt wird.

Entsprechend entscheiden sich auch immer mehr Sponsoren und Vereine dazu, ein eSports-Team zu gründen. Erst kürzlich berichtete der FOCUS vom neu gegründeten eSports-Squad des Basketballvereins Fraport Skyliners. Die Konkurrenz wächst also und der eSports ist endgültig im Profibereich angekommen.

Wie gründet man ein eigenes eSports-Team?

Insbesondere unter den jungen Menschen findet man immer mehr, für die es der große Traum ist. Letztendlich ist die Grundvoraussetzung, um ein erfolgreiches Team oder gar einen Verein zu gründen, eine ausreichende Anzahl an guten Spielern zusammen zu bekommen. Für die meisten eSports-Games werden 5 bis 6 Spieler benötigt, die ein Team bilden. In anderen Spielen wie EAs FIFA kann man hingegen auch allein sein Können unter Beweis stellen. Hat man die Spieler beisammen und das Gefühl, in den Spiel mit der Elite mithalten zu können, muss man sich überlegen, welche Turniere man spielen möchte, um den Einstieg zu finden. Meist finden diese online über Platzierungsmatches und / oder eine Tabelle statt. So kann ein gegründetes Team über Qualifizierungsmatches beispielsweise in verschiedenen Spielen nach oben kommen. Die Königsklasse in Deutschland ist die ESL League. In der Liga sind verschiedenste Spiele vertreten und im Prinzip kann sich jeder Clan oder Spieler über ein Ranking-System (auch Ladder genannt) für die Endrunden qualifizieren, über die es dann automatisch weiter zu den sogenannten Offline-Turnieren geht. Diese sind letztendlich nichts anderes als LAN-Parties, nur seit einigen Jahren eben mit Zuschauern, Fernsehteams und Liveübertragungen.

Ligen und Turniere

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Neben der ESL gibt es für verschiedene Spiele auch andere Ligen oder Ranking-Systeme, über die man sich der Welt präsentieren kann. Blizzard veranstaltet beispielsweise für Overwatch eine eigene Liga, über die sich die Spieler online für größere Turniere qualifizieren können. Offline-Turniere finden dann in verschiedenen Regionen der Welt statt und am Ende veranstaltet Blizzard eine Weltmeisterschaft, in der die Top-Teams nochmals gegeneinander antreten. Weitere Möglichkeiten, sich nach oben zu kämpfen, gibt es auch zum Beispiel in der DeSBL, einer eSports Bundesliga oder über die verschiedenen Ladders der einzelnen Spiele wie Dota2, LoL, CSGO und so weiter. Letztendlich ist das Ziel immer, sich einer breiten Masse zu präsentieren, über eine gute Leistung im Onlinebereich Sponsoren auf sich aufmerksam zu machen und sein Ticket zu den großen Turnieren zu lösen.

Profiniveau erreichen

Wie in anderen Sportarten oder in der Wirtschaft geht es für die wenigsten von Null auf Hundert. Der Aufstieg in einem bestimmten Spiel ist mit jede Menge Fleiß, Training und auch immer etwas Glück verbunden. Letztendlich muss man sich ebenso organisieren wie im traditionellen Sportverein und muss sich darüber im Klaren werden, dass das Hobby damit zum Beruf wird und nicht immer nur Spaß macht. Ein Arbeitsmanagement ist von Nöten und es muss diszipliniert gearbeitet werden, um seinen Traum letztendlich auch verwirklichen zu können. Natürlich geht es auch nicht ohne Talent – keine Frage – denn nicht jeder ist für eSports und den Druck gemacht sowie mit dem benötigten hohen Level an Konzentration ausgestattet und nicht zuletzt mit Ehrgeiz und Durchhaltevermögen gesegnet. Außerdem geht es bei Teamspielen im eSports-Bereich auch nicht ohne den nötigen Zusammenhalt und Kenntnisse über Teamdynamiken und die Optimierung der Abstimmung sowie Reduzierung der Hemmnisse, die sich innerhalb von Teams entwickeln.