Filmkritik

Filmkritik: American Hustle – Von ulkigen Gaunern und Betrügern

David O. Russell zählt heutzutage zu den großen Erzählern im amerikanischen Kino. Er macht nicht nur einfach Filme, er erzählt vor allem Geschichten. Das mit so großer Besessenheit, dass es mitunter nicht sonderlich angenehm ist, mit ihm zu arbeiten. Unvergessen bleibt der Zwist mit George Clooney bei den Dreharbeiten zu „Three Kings“ (Golfskrieg-Tragikomödie), der laut einigen Quellen in Handgreiflichkeiten endete. Ein paar Jahre später durchging er eigenen Angaben nach eine Identitätskrise, was ihm zum Umdenken brachte. Der erste Film des „neuen“ David O. Russell war das Boxer-Drama „Fighter“ mit Mark Wahlberg, Christian Bale und Amy Adams, was sowohl Kritiker als auch Kinogänger zu überzeugen wusste und zahlreiche Auszeichnungen erhielt – unter anderem Oscars für Christian Bale und Melissa Leo in den Nebenrollen. Der zweite Film nach seiner filmischen „Wiedergeburt“ war „Silver Linings Playbook“ mit Bradley Cooper, Jennifer Lawrence (Oscar für Beste Hauptdarstellerin – wieso ist mir bis heute nicht ganz schleierhaft) und Robert De Niro (wiedererstarkt!), der genau wie sein voriges Werk auf ganzer Linie überzeugen konnte, auch wenn ich das Ende als zu hollywood-typisch empfand, was bei mir einen leicht faden Nachgeschmack hinterließ.

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Nun erscheint also sein drittes Werk, „American Hustle“ (auf deutsch „American Bullshit“, warum auch immer), ein Film über Betrüger und Fälscher in den 1970ern Jahren. Betrachtet man den Cast, läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Robert De Niro, Jeremy Renner, Amy Adams, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Christian Bale. Talent en masse und ganz offensichtlich eine Symbiose seiner beiden vorigen Filme (siehe oben; scheinbar ist eine Zusammenarbeit mit O. Russell angenehmer geworden). Doch kann auch diese Ansammlung an Hollywood A-List-Darstellern liefern?

 

Irving Rosenfeld (Christian Bale) ist ein Betrüger, der grad so über seine Runden kommt. Als er Sydney Prosser (Amy Adams) kennen und lieben lernt, welche eine neue Identität annimmt, kommt sein illegales Geschäftsmodell ins Rollen und zusammen werden beide wohlhabend. Das ganze kommt jedoch abrupt zum Ende, wenn sie vom FBI, angeführt vom karrieregeilen und opportunistischen FBI-Agenten Richie DiMaso (Bradley Cooper), überführt werden. Allerdings hat DiMaso Größeres im Sinn und bietet Rosenfeld einen Deal an: Die Überführung größerer Fische (Politiker, Ganoven etc.) mit Rosenfelds und Prossers Hilfe durch deren Know-How und Beziehungen,und im Gegenzug bleiben beide auf freiem Fuß. Was anfänglich als eine machbare Aufgabe erscheint, wird mit der Zeit immer komplizierter und am Ende versucht jeder, am besten aus der verzwickten Nummer herauszukommen.


Liest man sich die Handlung durch, könnte man meinen, es mit einem genretypischen Gangster-Film zu tun zu haben. Das ist aber keineswegs der Fall- „American Hustle“ ist so vielschichtig, dass es diffizil ist, den Film in eine Kategorie zu quetschen. Dies ist eine große Stärke O. Russells und Parallelen zu Scorsese sind nicht zu übersehen. Neben den Gaunerszenen bietet der Film zahlreiche groteske und schier lustige Szenen, aber auch melancholische und nachdenkliche. Das das Ganze funktioniert, liegt den tollen Dialogen und der gewieften filmischen Umsetzung zu Grunde. Jede Einstellung sitzt, die Ausstattung ist super und der Soundtrack extraklasse. Das ist überragendes Kino. Dazu gesellt sich geniales Schauspiel. Jede Figur (mit Abstrichen Louis C.K.s Stoddard Thorsen ) überzeugt aufs Ganze- der Cast treibt sich gegenseitig in Höchstform. Bradley Cooper spielt mit seiner zwiespältigen Figur gekonnt auf; selbiges gilt für Jennifer Lawrence als Irvings Noch-Frau Rosalyn Rosenfeld, die an völligem Realitätsverlust zu leiden scheint, was die Mission stets verkompliziert; Amy Adams demonstriert wiederholt ihre ganze Klasse; und generell bringt jeder Darsteller sein ganzes Talent im Sinne des Filmes ein. Der große Star ist aber Christian Bale. Für diese Rolle hat er merklich zugenommen (ist das noch gesund?) und sich den Schädel rasiert, um ihn dann mit dem Seitenhaar zu überkämmen. Kurz gesagt: Er entspricht nicht dem Bild eines Adonis und dennoch versteht man, wie es ihm gelingt, Frauen à la Rosalyn oder Sydney für sich zu gewinnen. Seine Rolle strahlt eine Faszination aus, die wie der Film schwierig zu beschreiben ist, und wenn er zwischenzeitlich zum nassen Pudel gerät, versprüht er mit seiner ganzen Melancholie beim Zuschauer Mitleid. Doch trotz alledem besitzt seine Figurg Pfiffigkeit, Dreistigkeit und Kalkül (andererseits ist er aber auch liebenswert und treudoof, was manche Sachlage erschwert ), die ihm immer wieder aus prekären Situationen befreien. Diese mehrschichtige Person verkörpert Bale mit so viel Können, Gusto und Überzeugung , dass jede Szene mit ihm zu einem absoluten Highlight wird.

Obwohl „American Hustle“ sicherlich keine Komödie im klassischen Sinne ist, bietet er so viele ulkige und teils urkomische Szenen (Situationskomik wird hier groß geschrieben), dass man ihn stets mit einem Lächeln im Gesicht anschaut. Dennoch, im Kern ist und bleibt der Film eine Charakterstudie, der seine Figuren observiert, seziert und so beim Publikum Fragen aufkeimen lässt. Wo und wann fängt eigentlich Korruption an? Wie weit darf man gehen, um seine eigene Karriere gezielt zu fördern? In diesem Film, das wird einem zunehmend bewusst, gibt es kein Gut und Böse. Kein Schwarz und Weiß. Alles ist irgendwie grau, wie es der von Christian Bale verkörperte Trickbetrüger treffend beschreibt. Analog verhält es sich mit „American Hustle“, er ist von allem etwas, ohne sich dabei festlegen zu wollen. Und gerade das macht ihn so wunder- und sonderbar!


Fazit

Ulkig, unterhaltsam, traurig, intelligent und einfach anders – mit einem Christian Bale der Extraklasse (inkl. dickem Bauch!)! David O. Russel liefert mit „American Hustle“ seinen bis dato besten Film, der bei der diesjährigen Verleihung des Oscars Mitfavorit sein dürfte (vor allem in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Darsteller/innen).

[tl-film 13.Februar 2014#David O. Russell#Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jennifer Lawrence#4,5#Thriller, Drama]

[tl-bildquelle https://www.facebook.com/AmericanHustle/photos_stream Official Facebook Page of American Hustle]

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Filmkritik: The Wolf of Wall Street – Mit Vorsicht zu genießen

Jordan Belfort ist ein junger Amerikaner mit einem Ziel: Er möchte Millionär werden. Deswegen geht er an die Wall Street, um als Stockbroker zu arbeiten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gründet er schließlich seine eigene Investment-Firma, welche ihn -nicht ganz illegal- zum Multimillionär macht. Was folgt, sind Drogen- und Partyexzesse, die ihresgleichen suchen. Allerdings steht ihm das FBI auf den Füßen, was an seinem Lebenswerk rüttelt.

Diese Geschichte schreit nach einer Scorsese-Verfilmung. Kein anderer Regisseur vermag es, Milieustudien so faszinierend, so unterhaltsam, so atmosphärisch, so kompromisslos und so
gekonnt zu inszenieren (seltsamerweise bekam er aber nur für „The Departed“ einen Oscar- bei weitem nicht sein stärkster Film). Auch diesmal gelingt es ihm auf ganzer Linie- so viel sei gesagt. „The Wolf of Wall Street“ ist eine Mischung aus „The Goodfellas“ und „Casino“- beides filmische Meisterwerke aus den 1990ern. Dennoch erreicht „Wolf“ nicht ganz deren Niveau. Wieso und weshalb, erfahrt ihr im späteren Verlauf dieser Filmdiskussion.

Jedoch zunächst ein paar Worte zur Umsetzung. Jene strotzt nut vor Kreativität. Sei es der Monolog mit dem Zuschauer (House of Cards jemand?), die Rückblenden (Lamborghini-Szene), die Visualisierung der Drogenexzesse, der Schnitt, der Soundtrack- einfach alles sitzt. Die Tatsache, dass Martin Scorsese den Film in Eile zusammenschnitt, um noch im diesjährigen Oscar-Rennen mitmischen zu dürfen, merkt man dem Film nicht an. Trotz drei-stündiger Dauer wirkt er rund und langweilt zu keinem Zeitpunkt. Da gab es in den letzteren Jahren schlechtere Beispiele- Filme, welche aus selbigem Grund eher rasant als sorgfältig zusammengeschnitten wurden und somit unfertig sowie unausgewogen wirkten (Stichwort: Django Unchained). Scorsese hat sein ganz Know-How und Können einfließen lassen- kurz gesagt: der Film sieht gekonnt stylisch aus und fühlt sich einfach fantastisch an. Aber nichts anderes kann man von dem Meisterregisseur erwarten.

Gespielt wird Belfort von Leonardo DiCaprio, welcher größtenteils wie entfesselt aufspielt. Besonders stark sind die Szenen, in denen er an seine Grenzen geht (Lemmon-Pillen, Ehestreit, Ansprache an Mitarbeiter). Allerdings gibt es welche, in denen Leo einfach Leo ist. Dass soll seine Leistung nicht schmälern, aber meines Erachtens müsste er wiederholt bei der Verleihung des Oscars leer ausgehen. Persönlich fand ich den von Chiwetel Ejiofor gespielten Solomon in „12 Yeas A Slave“ noch um Nuancen intensiver und beeindruckender. Das spiegelt allerdings meine persönliche Meinung wieder und soll nicht darüber hinwegsehen, dass DiCaprio hier abermals brillante Arbeit leistet (kein anderer Schauspieler hat eine bessere Rollenwahl). Er verleiht dem eigentlich perversen und widerwärtigen Belfort Wärme und sympathische Züge. Von seiner Figur geht eine Faszination aus, der sich der Zuschauer kaum entziehen kann.
Ebenfalls überzeugen kann Jonah Hill, dessen Rolle als  Belforts Partner Donnie Azoff (größtenteils improvisiert) ihm seine bereits zweite Oscar-Nominierung einbringt. Dass er ihn auch erhält, dürfte allerdings auf Grund der starken Konkurrenz (Jared Leto, Michael Fassbender) höchst unwahrscheinlich bleiben.
„The Wolf“ kann zahlreiche weitere Charaktere (allesamt toll gespielt, insbesondere Rob Reiner als Belforts Vater Max Belfort) aufbieten, von denen ich allerdings noch zwei gesondert hervorheben möchte. Zum ersten, den von Matthew McConaughey (bewundernswerte Entwicklung ) schier überragend gespielten Mark Hanna, dessen Szene mit Belfort einfach urkomisch ist und zu den absoluten Highlights des Films (ebenfalls: Flugzeug-Szene!) gehört. Zum zweiten, Belferst zweite Ehefrau Naomi, welche von der 23-jährigen Australierin Margot Robbie (merkt euch den Namen!) famos verkörpert wird. Verkörpert trifft es gut, ihre Sexyness (Kinderzimmer-Szene) und wahnsinnige Attraktivität wird so manchem Zuschauer glücklich und so manche Zuschauerin neidisch machen. Sie ist eine der Hauptentdeckungen in „The Wolf“ und dürfte in eine rosige Zukunft blicken.

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Der Film ist hemmungslos. Hier wird geflucht bis zum Umfallen (569-mal „Fuck“), es gibt Sex, Party und Drogen am Fließband. Das ganze ist höchst unterhaltsam und bietet einige Szenen auf, welche das Zeug zum Kultstatus haben (Jonah Hills Szene auf der Poolparty oder die bereits angesprochene Lemmon-Szene). Alles wirkt verdammt stylisch und dürfte so speziell beim jungen Publikum punkten. Der gesamte Film macht einfach Spaß (der humorvollste Film seit langem), aber das bergt auch meiner Meinung nach das Hauptproblem. „The Wolf of Wall Street“ mangelt es an Tiefe und Substanz. Ja, sicher ist solch ein Leben auf eine gewisse Art und Weise beneidenswert- Wer würde nicht gerne in Saus und Braus leben?-,allerdings ist das uns vorgezeigte Leben illegalen Ursprungs und genau jener wird zu stark glorifiziert und heroisiert. Bis auf die vermeintliche Abdank-Rede (Mitarbeiterin) hat man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass der Film ausreichend reflektiert. Manch einer mag sagen, dass Scorseses Werk sich Objektivität bewährt, jene fehlt mir aber in den bereits angesprochenen und unterhaltsam inszenierten Party-, Drogen- und sämtlichen anderen Geldvernichtungsexzessen. Diesbezüglich geht mir schlichtweg die Balance abhanden, weshalb er letztendlich nicht an das Niveau von „Goodfellas“ herankommt, welcher sowohl den Aufstieg und Abstieg effektiv und sorgfältig darstellt. Besonders die Szenen mit dem FBI böten höheres Potenzial, allerdings bleibt der von Kyle Chandler gespielte Patrick Derham recht blass, weil ihm der Film nicht mehr Raum zur Entfaltung gewährt. Und was ist eigentlich mit den zahlreichen Opfer der Finanzkriminalität? Wie viele Familien, wie viele Existenzen werden durch den Betrug zerstört? Inwiefern sind die Machenschaften von Belfort illegal? Solche Fragen werden zu keinem Zeitpunkt aufgegriffen. Habgier, Drogensucht und Verschwendung in ihren perversesten Formen haben Priorität und werden dementsprechend zu viel Raum gegeben. Schade.

Dennoch wird der Film beim Publikum positiv ankommen, da er auf aller höchstem Niveau zu unterhalten weiß. Hier geht es wild und überzogen zur Sache. Allerdings fehlt es „The Wolf of Wall Street“  an Konsequenz und Tiefe, um großartig zu sein. Vielleicht ist es aber auch gar nicht seine Absicht.

Fazit:

Scorsese nutzt abermals sein ganzes Können, um das Publikum bei einer Milieustudie teilhaben zulassen. Dabei bietet seine absichtlich überzogene Satire eine tolle Schauspielerriege sowie urkomischen Humor auf. Allerdings fehlt es dem stets unterhaltsamen und überaus lustigen Film an Tiefe und Reflexion, um sich bei Scorseses vorigen Meisterwerken à la „Goodfellas“ einreihen zu können. Filmisch super, moralisch teils fragwürdig!

[tl-film 16. Januar 2014#Martin Scorsese#Leonardo Di Caprio, Jonah Hill, Margot Robbie#4#Drama, Krimi, Biografie]

[tl-bildquelle-all https://www.facebook.com/Wolf.of.Wall.Street.DE/photos_stream Official Facebook Page of Wolf of Wallstreet]

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Filmkritik: Hobbit 2 – Schönes Dahinplätschern

„Herr der Ringe“ hat viele, besonders die männliche Zunft, in unserer Jugend begleitet. Es war immer ein Highlight, ins Kino zu strömen und sich den neuesten Teil der Fantasy-Saga um Mittelerde anzuschauen. Es war eine Trilogie über Freundschaft, Mut, Sühne, Macht, Verlust, Liebe, Sehnsucht, Verlangen, Gier, Krieg und Frieden. Kurz gesagt: Peter Jackson erschuf ein zeitloses Meisterwerk.

Dass „Der Hobbit“ eines Tages verfilmt wird, war nur eine Frage der Zeit. So biete sich Tolkiens eigentlich kurzes Kinderbuch förmlich dazu an, es als Vorgeschichte auf die Leinwand zu bringen. Ähnliches funktionierte ja bereits bei „Star Wars“- über die filmische Qualität der Prequels scheiden sich allerdings bis heute die Geister. Um den „Hobbit“ in dreien Teilen bringen zu können (Geld!), verarbeitete Jackson zudem noch weitere Bücher und Erzählungen zu Mittelerde und fügt zudem noch eigenes hinzu (Wiedersehen mit alten Charakteren), damit „Herr der Ringe“-Fans auf ihre Kosten kommen.

Doch funktioniert alles so gut, wie es sich auf dem Papier anhört?

Die Zwergengruppe samt Bilbo, welcher langsam die Auswirkungen des Ringes spürt, sind immer noch auf dem weg zu den Nebelbergen, um das ehemalige Königreich (in Form von Minen) der Zwerge, Erebor, wieder zurückzuerobern. Einziger Haken: Die Minen werden von einem Drachen names Smaug besetzt, der einst die Zwerge von dort vertrieb und unzähliges Leid den herumliegenden Dörfern hinzufügte.

Zur selben Zeit braut sich etwas Böses zusammen. Dieser Handlungsstrang gehört ganz allein Gandalf. Er spürt das etwas Bösartiges aus längst vergangenen Tagen wieder dabei ist, aufzukeimen, um ein neues dunkles Zeitalter einzuläuten. Peter Jackson ist also drauf bedacht, eine Brücke zu seiner „Ringe“-Trilogie zu bauen. Das macht durchaus Sinn und wird auch geschickt umgesetzt.

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Zum Film. Das Ganze sieht gut aus und fühlt sich auch durchaus stimmig an. Es gibt etliche Sequenzen und Szenerien mit hohem Schauwert- besonders die Begegnung mit Smaug ist großes Kino (Benedict Cumbatcher- großartig vertont auf Englisch). Hier wurde mit CGI alles herausgeholt. Die Kamera is tadellos, genau wie die Ausstattung und das 3D wird sinnvoll und trickreich verwendet, was eher selten vorkommt. Der Cast spielt auf durchaus hohem Niveau, auch wenn sicherlich keinen einen Oscar oder sonstige Auszeichnungen erhalten wird.


Dennoch hat der Film -sein Vorgänger ebenfalls- ein Problem: die „Herr der Ringe“-Trilogie. Konnte sie auf allen Ebenen berühren, lässt der Hobbit eher einen kalt. Der Geschichte um die Zwerge fehlt es einfach an Größe und Wichtigkeit. Das führt dazu, dass die Filme durchaus langatmig wirken und man sich die Frage stellt, ob es ein oder zwei Film/e auch getan hätten.

Sinnbildlich für den Film steht die Musik. Eigentlich ganz nett, aber sobald  man den Kinosaal verlässt, ist die Melodie auch schon wieder aus dem Kopf.

Kurz und knapp gesagt:


Der Film sieht toll aus, bietet durchaus tolle Szenen (Stadt auf dem See) und beglückt den Zuschauer mit dem ein oder anderen Wiedersehen- Stichwort: Legolas. ABER: Er steht einfach vollkommen im Schatten der vorigen Jackson-Trilogie und kann sowohl emotional und atmosphärisch als auch erzählerisch nicht mithalten. Dafür fehlt es der Geschichte an Dringlichkeit und Signifikanz.

[tl-film 12.Dezember 2013#Peter Jackson#Sir Ian McKellen, Luke Evans, Orlando Bloom#3,5#Fantasy]

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Filmkritik: Don Jon – Unausgegorene Offenheit

Joseph-Gordon Levitt, einer der beliebtesten Schauspieler unserer Zeit (man möge mal bei Imgur und 9Gag stöbern), hat nicht nur das Drehbuch zu „Don Jon“ verfasst und die Hauptfigur Johnny gespielt, sondern stand auch erstmals hinter der Kamera. Dass das gut gehen kann zeigte jüngst Ben Affleck (Oscar für Argo). Mit Julianne Moore und Scarlett Johansson steht ihm zudem noch eine geballte Ladung namenhafte Frauenpower  zur Seite. Doch reicht es, um ein gutes Debüt zu feiern?

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Triff Johnny. Ein junger, in New Jersey lebender Italo-Amerikaner, dessen Leben sich auf wenige Dinge beschränkt. Freunde, putzen (Ja, putzen. Warum? Keine Ahnung.), Fitness, Frauen, Kirche. Und Pornos. Diese haben es ihm besonders angetan. Es geht soweit, dass man ihn durchaus als pornosüchtig bezeichnen könnte. Nun bringt das einige Probleme mit sich. Erstens, mag es seine neue heiße Freundin (Scarlett Johansson) nicht. Zweitens, Johnny glaube das richtiger Sex einem Porno gleichkommen sollte. Tut es in seinem Fall aber nicht, weshalb er –sagen wir es mal- digitalen Sex dem realen vorzieht (Ich befürchte, davon gibt es einige). Schließlich verlässt ihn Barbara (er schaut zu viele Pornos) und ihm leuchtet ein, dass er möglicherweise sein Weltbild (ein mittlerweile verbreitetes), nicht nur bezüglich Pornos, überdenken muss, wobei er ungeahnte Unterstützung von der etwas älteren Esther (Juianne Moore), einer schleierhaften Kommilitonin in der Abendschule, bekommt.

Positives zuerst

Der größte Pluspunkt ist die Kameraarbeit, die den repetitiven Lebensstil Johnnys durchaus gekonnt aufzeigt. Auch der Schnitt ist gut, die Hip-Hop-Montagen, beim Schauen der Pornos, (Erinnerungen an „Reqiuem for a Dream“ werden wach) sind ein Stilmittel, dass hier geschickt und passend eingesetzt wurde. Ansonsten setzt der Filme keine Maßstäbe. Will er auch nicht. Und muss er auch nicht. Hier handelt es sich schließlich um leichte Unterhaltung.

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[tl-bildquelle http://www.donjon-derfilm.de/index.php donjon-derfilm.de]

Aber kann der Film auch unterhalten?

Die ersten 20 Minuten sind sehr kurzweilig und der durchaus ironische Erzzählstil (ach ja, Generation Jersey Shore) sitzt. Danach aber verheddert sich der Film und kann das Anfangsniveau bei weitem nicht halten. Schade. Es wird zäh und manche Szene erscheint deplatziert (gar absurd) oder es mangelt ihr an Witz und Bissigkeit. Das ist vor allem den teils steifen Dialogen zuzuschreiben.

Generell mag der Film sich nicht so recht entscheiden, was er möchte. Satire oder Drama oder doch Charakterstudie? Oder alles auf einmal?  Das ganze könnte ja auch durchaus funktionieren, bei „Don Jon“ tut es das aber nur bedingt. Dass bissige Satire funktioniert, bewies Ben Stiller mit „Tropic Thunder“ vor einigen Jahren. Dennoch ist es bei weitem kein schlechter Film. Die Schauspielerleistungen sind grundsolide und auch die Kernaussage des Films ist ehrlich, sympathisch und vor allem aktuell. Die aufgegriffene Thematik ist mutig. Einzig die Frage stellt sich, warum erst jetzt  (2013) dieses Thema so offen und schonungslos angeschnitten wird.

Esthers Aussage, dass es beim Sex darum geht, dass zwei Menschen sich ineinander verlieren, beschreibt den Film treffend. Denn der Film verliert sich. Doch leider nicht in den Zuschauer oder umgekehrt. Nein, er verliert sich in sich selbst. Überspitzt gesagt: Er betreibt seine eigene Art von Selbstbefriedigung, bei der man irgendwann etwas gelangweilt (trotz kurzer Spielfilmlänge) zuschaut, weil das Ende so hervorsehbar ist wie in einem Porno. 

Schade. Schade. Schade. Denn eigentlich hat der Film einiges zu sagen, aber irgendwie wirkt das alles unausgegoren.

[tl-film 14.11.2013#Joseph-Gordon Levitt#Joseph-Gorden Levitt, Scarlett Johannson, Julianne Moore#3#Komödie, Romanze, Drama]

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Filmkritik: Prisoners – beklemmend gut

Ich oute mich hiermit als Fan des Krimis. Dabei meine ich nicht, bei allem Respekt, einen 08/15-„Tatort“ oder sonstige Kriminalfilme, die heutzutage in Dauerschlaufe auf der Mattscheibe laufen. Dabei zeichnet sie oft Folgendes auf: formelhafte und voraussehbare Drehbücher, dürftige Schauspielerleistungen und mangelnde handwerkliche Umsetzung (allgemein bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, trotz GEZ-Milliarden). Im Kino ist der Krimi leider eine aussterbende Art bzw. verkommen viele Filme zu Slasher- und Actionhrillern (I, Robot), offenbaren ein Logikloch nach dem anderen oder fungieren nur als billiger „Sieben“-Abklatsch, DEM Kriminalfilm schlechthin. Somit bleibt die Liste guter Krimis leider recht überschaubar. Hier ein paar Empfehlungen: Zodiac, Sieben, Verblendung, L.A. Confidential, Roter Drache, Blutmond, Das Schweigen der Lämmer, Im Tal von Elah, Chinatown, Blade Runner.

Doch was zeichnet  diese Filme aus? Eine intensive Atmosphäre, herausragende Darstellerleistungen und packende Geschichten, die fesseln und nachwirken. Ein guter Krimi lässt einen miträtseln und sobald man erlöst wird, wünscht man sich, man könne die Zeit zurückdrehen und wieder von vorne anfangen (ähnlich ergeht es mir beim Essen).

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 Mit „Prisoners“ bekommt der Zuschauer endlich wieder solch einen Film. Es wurde auch mal Zeit!

Die zwei Nachbarsfamilien Dover und Birch treffen sich zum Thanksgiving. Als die beiden kleinen Töchter Anna Dover and Joy Birch nach dem Essen spurlos verschwinden, bricht Panik aus. Schnell wird der Fahrer bzw. die Fahrerin eines Wohnwagens als Verdächtige/r ausgemacht, nachdem jener Wohnwagen in der behutsamen Kleinstadt gesichtet wurde. Detective Loki (Jake Gyllenhaal) kann den Fahrer names Alex Jones (Paul Dano) schließlich festnehmen. Von den beiden Mädchen fehlt jedoch weiterhin jede Spur und Jones beteuert seine Unschuld. Pikant ist dabei, dass Jones den IQ eines 10-Jährigen besitzt und man ihm solch eine Tat aus polizeilicher Sicht nicht zutraut und auch nicht nachweisen kann. Als er schließlich wieder freigelassen wird, konfrontiert ihn Keller Dover (Hugh Jackman) gewaltsam, wobei Jones ihm etwas zuflüstert. Überzeugt von Alex’ Schuld nimmt Dover das Gesetz selber in die Hand und das Unheil nimmt seinen Lauf.

„Prisoners“ ist nicht nur gänzlich ein Krimi, es handelt sich auch um eine Charakterstudie. Wozu ist ein scheinbar guter Mensch in der Lage, wenn dieser in eine Ausnahmesituation versetzt wird? Wie weit würdest du gehen, um deine Tochter zu retten? Hat ein potentieller Mörder Rechte? Und was ist mit christlichen Werten wie die Nächstenliebe, gelten sie in manchen Situationen nicht mehr (religiöse Heuchlerei?)? Ist Folter zu rechtfertigen (Verweis auf Guantanamo?)?

An dieser Stelle soll nicht ungesagt bleiben, dass jeder Charakter in diesem Film etwas verbirgt, eine dunkle Seite in sich hat, welche in jeweiliger Extremsituation –oft zum Leid eines anderen- zum Vorschein kommt. Es ist förmlich erschreckend, wie schnell jegliche Moralvorstellung von Board geschmissen wird. Doch würden wir nicht genau so handeln? Sinnbildlich steht dafür die trügerische Kleinstadt, in denen sich an der Oberfläche ein Häuschen nach dem anderen idyllisch aneinander reiht. In den Kellern aber, offenbaren sich die abgründigen Seiten oder Ängste der Personen. Es stellt sich die Frage: Ist die Gesellschaft nur ein oberflächliches Gefüge?

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Dieser Krimi hinterlässt beim Zuschauer viele Fragen. Mit den Credits ist der Film nicht zu Ende, ganz im Gegenteil, dann fängt er im Kopf des Zuschauers erst richtig an. Großartig!

Schauspielerisch befindet sich der Film auf aller höchstem Niveau. Paul Dano (verstörend) und Melissa Leo (beklemmend) brillieren in ihren Nebenrollen. Hugh Jackman überzeugt als manischer, mit Gottesfurcht geplagter Do-It-Yourself-Man, kratzt aber ab und an der Grenze zum Over-Acting. Terrence Howard, Viola Davis und Maria Bello haben eher kleine Parts, können jene aber Tiefe verleihen. Der wirkliche Star ist aber Jake Gyllenhaal. Der von ihm gespielte Polizist wirkt bedrohlich und verwundbar, stoisch und explosiv zugleich. Man spürt förmlich, dass etwas in ihm brodelt, was auch im zweiten Drittel des Films in einer Szene zum Vorschein kommt. Abermals beweist Jake Gyllenhaal (Jarhead, Zodiac, Donnie Darko, Brokeback Mountain, Brothers, Source Code), dass er zu den besten und vielseitigsten Darstellern seiner Generation gehört.

Interessant ist, dass man bis auf die Geschichte nicht viel über die Personen erfährt. So einiges bleibt dem Betrachtenden und seiner eigenen Interpretation überlassen. Zum Beispiel. Wurde Keller Dover als Kind geschlagen? Hatte er einst ein Alkoholproblem? War Detective Loki Opfer von Missbrauch in seiner Zeit an einer katholischen Schule? 

„Prisoners“ ist der erste Hollywood-Film des franko-kanadischen Regisseurs Dennis Villeneuve, der zuvor mit Filmen wie „Die Frau, die singt“ (Oscarnominierung als Bester Ausländischer Film 2011) „Polytechnique“ für Aufsehen sorgte.
Es wird bei „Prisoners“ ganz schnell klar: Dieser Mann hat Talent. Der Film sieht klasse aus und die spannende und aufwühlende Geschichte wurde in beklemmenden und beunruhigenden Bildern eingefangen. Sonnenschein? Fehlanzeige. Schnee und Regen dominieren die Szenerie. Insbesondere die Kameraarbeit (stoisch und still, was den beobachtenden Charakter unterstreicht) und das Editing sind großartig.  Kein Krimi sah nach „Sieben“ so gut aus und fühlte sich bedrückend und spannend an.

Scheinbar durfte Villeneuve seine Visionen durchsetzten und wurde von den Studios (Warner Bros./Paramount) nicht beschnitten (Gut so!), denn die Story ist stets konsequent und kompromisslos erzählt und nimmt sich auch ausreichend Zeit (153 Minuten!), sich zu entwickeln, ohne dabei jemals an Spannung und Brisanz zu verlieren.
Möglicherweise ist das Ende für den einen oder anderen etwas zu unspektakulär. Wer ein Ende á la „Sieben“ erwartet, wird hier leider enttäuscht. Das Böse steckt hier in einer scheinbar normalen und unscheinbaren Person. Es ist dem Film auch nicht wichtig, den Täter zu dämonisieren oder zu etwas Größerem hervorzuheben , denn diese Geschichte erzählt von normalen und vermeintlich guten Menschen, die in der Lage sind, Schreckliches tun. Aber wären wir das nicht alle?

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Fazit

Villneuves Hollywooddebüt ist Krimi und Charakterstudie zugleich. Dabei entfaltet er eine verstörende und beunruhigende Grundstimmung, die noch lange nachwirkt. Man kann nur hoffen, dass nicht wieder Jahre vergehen müssen, bis ein Krimi dieser Art seinen Weg in unsere Kinos findet.

 [tl-film 10.Oktober 2013#Denis Villneuve#Hugh Jackman, Jake Gyllenhall, Paul Dano, Terrence Howard, Maria Bello, Viola Davis#4,5#Krimi/Drama/Thriller]

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Filmkritik: Gravity – das Kino hat seine Anziehungskraft noch nicht verloren

Im heutigen Zeitalter der Streams, des Video-on-Demand und sämtlich anderen Videobeschaffungsmaßnahmen gibt es eher selten noch einen Grund den Weg ins Kino zu finden. Dennoch wurden in den letzten Jahren immer wieder neue Einspielrekorde aufgestellt, was aber eher den stetig steigenden Preisen der Eintrittskarten zuzuordnen ist als einer steigenden Affinität fürs Kino. En vogue ist auch der 3D-Aufschlag. Sämtliche Filme werden nur noch in der dritten Dimension angeboten. Ein cleverer Schachtzug der Filmindustrie; so ist die Raubkopie von 3D-Film um ein Vielfaches schwerer, wenn nicht gar unmöglich.

Der künstlerische Effekt der Anwendung der zusätzlichen, dritten Dimension ist wiederrum zumeist ernüchternd. Nicht selten verlässt man den Kinosaal mit dem Gefühl, dass es in nur 2 Dimensionen mindestens genau so gut oder schlecht gewesen wäre. Des Öfteren wirkt das 3D zerfahren, der Hintergrund verschwimmt regelrecht und mancher Zuschauer hat mit Übelkeit und Kopfschmerzen zu kämpfen. Aber es gibt Außnahmen. Manche Filme wissen die 3D-Technik zu nutzen und zeigen der Filmwelt wie man es machen könnte. Man denke da nur an Avatar, Hugo Cabret, Tim und Struppi oder Life of Pi. Auffällig ist, dass jene Filme allesamt von absoluten Meistern ihres Fachs gemacht wurden (Cameron, Scorsese, Spielberg, Lee). Insofern kann man sagen, dass 3D die Fähigkeit, Visionen in Bildern zu fassen, noch deutlicher zum Vorschein bringt – sowohl im guten als auch im schlechten.

Ein weiterer Ausnahmeregisseur  ist der Mexikaner Alfonso Cuarón. Das er zu der höchsten Garde der Filmemacherriege gehört, bewies er spätestens mit seinem düsteren Science-Fiction -Drama „Children of Men“ im Jahre 2006.  Desweiteren führte unter anderem er beim mexikanischen Meilenstein „Y Tu Mamá También“ und beim dritten (und –wie ich finde-  besten) Teil der Harry Potter-Saga („Harry Potter und der Gefangene von Askaban“) Regie.

Nach einer 7-jährigen Unterbrechung folgt nun sein neuester Streich: Gravity, ein Science-Fiction-Film. Wer dachte, dass dieses Genre bereits ausgereizt ist, irrt sich gewaltig. Gravity ist ein Film voller Schönheit, Gefühl und Wucht, der nebenbei die Möglichkeiten des 3D neu definiert. Man sieht die Protagonisten nicht um ihr Leben kämpfen. Man ist förmlich dabei. Aber erstmal eins nach dem anderen.

Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) befindet sich auf ihrer ersten Space-Shuttle-Mission und soll bei einem Außeneinsatz Reparaturarbeiten an einem Weltraummikroskop vollführen. Begleitet wird sie von vier weiteren Astronauten, wobei nur Matt Kowalkski (Georg Clooney) für den Zuschauer von Bedeutung ist.

Doch es kommt zu einem Unglück. Teile eines zerstörten russischen Satelliten fügen großen Schaden an, den bis auf Kowalksi und Stone niemand (Shuttle eingeschlossen) überlebt. Von und geht es ums nackte Überleben, ein Survival-Movie im All, der mit einer schier unendlichen Intensität und Spannung aufwartet. Überschattet wird das ganze noch mit dem Tod von Stone’s Tochter, der ursprüngliche Antrieb Stones ins All zu flüchten, um all Trauer und Schmerz auf dem Planeten Erde zurückzulassen. Zugegebenerweise bedient sich Cuarón hier genre-typischen Elementen, dies tut er allerdings überragend. Der verzweifelte Kampf ums Überleben und Stone’s inneres Ringen darum, ob es sich überhaupt lohnt, für das von Leid geplagte Leben zu kämpfen, sind schlicht herzergreifend.

Und genau das macht den Film aus. Trotz aller Technik und Action und des großem Nichts im All , hat der Film vor allem eins : Herz. Dabei geht der Film über Genre-Konventionen hinaus und stellt auch Bezüge zu religiösen Themen her (Ähnlichkeiten zu Stanley Kubricks „2001-Odysee im Weltraum“ (1968) sind zu erkennen). Muss so etwas Schönes wie den Planeten Erde nicht von einer höheren Macht erschaffen worden sein? Ist der Mensch nicht das einzigartigste Wesen, da er in der Lage ist den blauen Planeten betrachten zu können? Aber auch die evolutionäre Theorie wird in der Schlusssequenz aufgegriffen. Der Film regt zum Denken an und wird auch Nahrung für die eine oder andere philosophische Diskussion liefern.

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Der Film wird nur von einer Person getragen, Dr. Ryan Stone, meisterlich gespielt von Sandra Bullock. Durch den eingeschränkten Bewegungsradius (Stichwort Astronautenanzug) ist die Mimik in diesem Film von noch größerer Wichtigkeit. Doch Bullock hält dem Druck stand und wartet mit einem stets nuancierten Spiel auf, welches sämtlichen Zuschauern die eine oder andere Träne abgewinnen wird. Unterstützt wird sie am Anfang von George Clooney, der seine Rolle wie gewohnt souverän meistert, in dem er sich einfach selbst spielt. Cool, selbstbewusst und immer für einen charmanten Spruch gut. Bullock bleibt aber Herz und Seele des Films. Eine Oscar-Nominierung scheint durchaus wahrscheinlich!

Es gibt nur noch einen größeren Star und das ist der Look. Was dem Kinogänger hier präsentiert wird, ist bahnbrechend. Die visuelle Wucht führt zu vielen Gänsehautmomenten (Stichwort Ganges). Nicht umsonst sagt James Cameron, Mr. Science Fiction Himself, dass Gravity der „beste Weltraumfilm aller Zeiten“ sei. Die Kameraführung (Emmanuel Lubezki)  setzt dabei neue Maßstäbe (mein Tipp: klarer Oscarfavorit für Beste Kamera). Alleine die ersten 13 Minuten haben keinen sichtbaren Schnitt. Einfach meisterhaft! Damit dies möglich ist, entwickelten Cuarón und Lubezki eine neuartige Technik, um lange, „schwerelose Aufnahmen“ (für „Apollo 13“ (1995) musste die Filmcrew gerüchterweise bis zu 600 Parabelflüge über sich ergehen lassen) montieren zu können. Diese aufwendige Technik erklärt auch die Produktionszeit von 4 (!!) Jahren. Sandra Bullock musste bei den Dreharbeiten an ihre körperliche Grenzen gehen, weshalb ihre schauspielerische Leistung noch höher einzuschätzen ist. Untermalt wird das ganze Spektakel von einem Score (Steven Price), der unter die Haut geht und das Gezeigte optimal einfängt. (Hierbei sei noch angemerkt, dass die Actionsequenzen keinen Sound haben, da es im All keinen Schall gibt). Sowohl auf technischer als auch darstellerischer Ebene stimmt einfach alles. Und das bei einem vergleichbar geringen Produktionsbudget von 100 Millionen Dollar (im Vergleich: Amazing Spiderman 230 Millioen $).

Fazit

„Gravity“ ist ein wunderschöner Film, der trotz seiner simplen Handlung existenzielle Fragen aufwirft und den Zuschauer mitnimmt und dabei zum Denken anregt. Dieses Meisterwerk von Film schafft einen beeindruckenden Mix aus Optik (3D ein Muss, am besten IMAX), Anspruch und Unterhaltung. Dieser Film beweist, dass das Kino noch seine Daseinsberechtigung hat. Denn kein Laptop, TV, PC oder Tablet dieser Welt könnte diesen Film auf selbige Art und Weise wirken lassen. „Gravity“ beweist, dass das Kino noch nicht all seine Magie verloren hat. Und dafür möchte ich Alfonso Cuarón danken.

 [tl-film 03.Oktober 2013#Alfonso Curaón#Sandra Bullock#5,0#Science Fiction]

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