[Kommentar] Die Menschen und der Bildschirm – eine nervige Nebenwirkung der IT

Nun ist es fast ein Jahr her, dass ich über einen Journalisten berichtet habe, welcher sich ein Jahr lang fernab dem Internet bewegen wollte. Ich habe zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Infos wie es ihm ergangen ist, aber darum soll es hier auch nicht gehen.

Vielmehr darum, dass ich mich damals schon auf einen Standpunkt festgelegt hatte, dass ich es vermutlich nicht schaffen würde. Warum? Weil ich damit aufgewachsen bin oder wie Katharina sagen würde: ich bin ein Digital Native!

Mich würde manchmal echt interessieren, was ich geworden wäre, wenn ich vor zweihundert Jahren gelebt hätte. Heute bin ich Webentwickler. Programmiere auf Arbeit und zuhause, blogge in meiner Freizeit, baue Webseiten für ein Dankeschön oder einen Obolus. Ohne Computer und Internet? Nicht nur pure Arbeitslosigkeit würde mich begrüßen, sondern auch die Frage, was ich eigentlich sonst machen würde bzw. machen könnte. Wo wäre mein Talent, wenn es nicht diese 0- und 1-Technik gäbe?

Vollkommen unabhängig voneinander habe ich in den letzten Wochen mitbekommen, wie sich Menschen über andere Menschen beschweren, dass sie viel zu viel vor dem Bildschirm sitzen würden. Natürlich ist das eine reine subjektive Sichtweise, denn meistens gibt es ja Gründe weswegen sich Menschen darüber ärgern. Sei es zu wenig Zuneigung, wenn es den eigenen Partner betrifft oder die Unhöflichkeit, dass der Gegenüber mitten im Dialog sein Handy herausholt und wie verrückt auf die Tasten klimpert, um dann nach drei Sekunden das Gespräch zu unterbrechen und zu sagen: “Warte mal kurz, ich muss hier kurz antworten?”. Hä? Hab nicht ich gerade mit ihm geredet? Wer mischt sich da in unser Gespräch ein? Und vor allem ist man stets selbst der Bedepperte, denn man weiß ja nicht, wer ihm da geschrieben hat und kann im wahrsten Sinne des Wortes nicht “mitreden”.

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Aber ist es denn nicht wirklich so, dass wir eigentlich schon frühmorgens noch nicht mal die Augen vollkommen offen haben und der erste Griff geht zum Smartphone? Immer in Vorfreude darauf, dass uns noch jemand geschrieben hat? Die Enttäuschung wenn es nicht so ist oder die verschwundene halbe Stunde die darauf folgt, wenn doch eine Nachricht da ist und man sich bereits im Frühplausch mit demjenigen befindet! Ich für meinen Teil würde sagen, ich bin (ein wenig) internetsüchtig. Ich muss lesen, ich muss chatten, ich muss bloggen, sonst hab ich dsa Gefühl, ich hätte nichts zu tun. Habe ich Langeweile, dann geh ich ins Netz. Surfen schimpft sich das ganze dann. Aber ist das gut? Ist das gut, ständig das Gefühl zu haben, man sei wichtig? Oder man muss erreichbar sein? Bei der Langeweile ist das Surfen sicherlich besser als wenn ich mir eine “Fluppe anstecke”, aber könnte man die Zeit nicht sinnvoller nutzen? Was haben die Menschen “damals” gemacht? Muss das öde gewesen sein Zwinkerndes Smiley.

Egal wo ihr diesen Beitrag lest. Schaut euch mal um? Ob ihr daheim seid oder unterwegs. Überall sind Geräte, kleine Displays. In der Öffentlichkeit, im Berufsverkehr hängt jeder an seinem eigenen Smartphone. Liest, chattet, durchsucht die neueste Musik. Ich nehme mich nicht heraus, keinesfalls. Ich bin, seit ich hier in Berlin bin, schon einige Mal falsch oder zu spät ein- oder ausgestiegen, weil ich einen spannenden Artikel lese und einfach mal die Welt um mich herum vergesse. Soll auch mal gegönnt sein. Doch es gibt Menschen, die wissen noch nicht mal wie das Wetter draussen ist, wenn sie eigentlich nur am Bildschirm hängen und wie Maschinen durch die Gegend rennen. Bestes Beispiel bin ich gerade. Ich sitze in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause zu meiner Familie. Statt rauszuschauen und die Natur zu bestaunen, den letzten Schnee für diesen Winter vielleicht, sitze ich hier und schreibe diesen Artikel. Personen um mich rum könnten aber auch denken, dass ich wie ein Verrückter chatte oder einfach nur Tippsüchtig bin.

Klar, ich schimpfe mich Blogger und ist nun auch eine Ausnahme, aber es geht ja eher um die Seltenheit, dass Menschen ihre Umgebung wahrnehmen. Frei nach dem Motto: “Google Maps sagt, da ist eine Straße, dann muss da auch eine Strasse sein!” Die seltensten Menschen gucken noch wirklich raus und genießen die wirkliche Sicht in die Natur oder nehmen ihre Umgebung mit ihren natürlich gegebenen Sinnen wahr.

Und noch eine Sache, die mir dazu einfällt. Ich habe Zeit meiner Ausbildung oftmals den Weg durch Berlin fahren müssen und war immer fest entschlossen, niemals nach Berlin zu ziehen. Der Grund ist recht einfach: ich muss eine Stadt kennen! Ich will eine Stadt kennen! Und das konnte ich mir bei Berlin durch die schiere Größe nicht vorstellen. Es ist gekommen, wie es kommen musste, mich hat es in die deutsche Hauptstadt gezogen und ich bin sehr glücklich darüber. Denn was den Reiz für mich ausmacht, ist das ständige WOW, was einem hier über den Weg läuft. Hinter jeder Ecke ist die Welt ganz anders, einfach ganz andere Menschentypen und das reizt unglaublich (ich bin ein Dorfjunge und Cottbus(Kaff)-Geschädigter, daher ist das beschriebene sicherlich in jeder Millionenstadt ähnlich).

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Umso schlimmer sind dann die Banausen, die der Ansicht sind, ihr Display ist wichtiger als die Schönheit der Stadt zu genießen (auch wenn man dort geboren ist und alles soooo gut kennt). Ich hab das sooft und da übertreibe ich nicht, dass ich mit Leuten unterwegs bin und es eine Phase gibt, wo plötzlich jeder sein Smartphone herausholt und Selbstbeschäftigung angesagt ist! Warum? Oder ich mir etwas anschauen möchte, weil ich es vielleicht noch nicht kenne und andere auch nicht, sie es aber als langweilig empfinden. Viel spannender ist doch der Chatpartner am anderen Ende der WhatsApp-Leitung, der sowieso nie komplett befriedigt werden kann, denn er wird immer wieder zurückschreiben.Und das herrliche ist dann, wenn sich der Blick vom Smartphone hebt, der gegenüber mir in die Augen schaut und fragt: “Wo sind wir eigentlich gerade?”. Aber schön, dass ich mit ihm unterwegs bin! –.-

Kommen wir langsam zur Pointe des Beitrags, sonst verliere ich mich hier echt noch Zwinkerndes Smiley. Mitte Mai geht es in die Türkei für mich. 8 Tage Strand, Sonne und … Smiley. Und ich werde es auch versuchen,

DAS SMARTPHONE BLEIBT AUS!!!

7 effektive Tage ohne Smartphone! Für mich gerade undenkbar und wenn man bedenkt, dass zu der Zeit die Google I/O sein wird und ich vermutlich eine Woche davor das neue Samsung Galaxy S 4 in die Finger bekommen werde, wird es besonders schwer. Aber es muss machbar sein und ich will das für euch und mich mal testen.

Handyverbot

Wenn ich mich so umschaue, dann sieht es nicht mal nach Frühling aus, aber eigentlich soll bald der Sommer kommen und vielleicht nehmt ihr euch diesen Beitrag auch mal zu Herzen. Schaut vielleicht jetzt kurz mal von eurem Smartphone hoch und seht kurz raus, lächelt den Gegenüber an oder geht eine Runde raus! Denn es ist heutzutage sehr wichtig zu wissen, dass Technik einem das Leben in vielen Sachen sicherlich erleichtern kann, aber niemals Freundschaften ersetzen oder der Partner fürs Leben sein sollte. Also selbst ausprobieren und ich werde euch im Mai den Bericht liefern, wie für mich die Woche ohne Technik war. Vielleicht mag ja jemand auch seine Meinung zu dem Thema unten in den Kommentaren zum Besten geben. Würde mich freuen!

Und nun schöne Ostern, gesegnete Feiertage und dass der Osterhase auch Winterschuhe im Schuhschrank hat!

2 Responses to “[Kommentar] Die Menschen und der Bildschirm – eine nervige Nebenwirkung der IT”

  1. Arvid sagt:

    Find ich ne super Idee. Viel Erfolg :)

  2. […] [Kommentar] Die Menschen und der Bildschirm – eine nervige Nebenwirkung der IT […]