Heimwegtelefon: Die Hotline für den unheimlichen Nachhauseweg durch die Dunkelheit

Seit über einem Jahr wohne ich in einer Großstadt, wie ich vorher in keiner gelebt habe. Berlin ist mit seinen über 3 Millionen Bürgern die größte Deutschlands und dementsprechend auch nicht die sicherste, was ich zum Glück allerdings noch nie am eigenen Leibe erfahren musste. Allerdings darf ich mich für folgenden Beitrag sicher auch nicht als Zielgruppe sehen.

Denn wir haben es da draußen Winter. Auch wenn uns Plusgrade vom Thermometer anlächeln und ich das Gefühl habe, Sonnenbrille und Badehose sollte man nicht weit weg legen, so wird es trotz allem früh dunkel. Dunkelheit bringt bekanntlich nicht nur tolle Lichterwerke zum Vorschein, sondern auch genau das Gegenteil – das beklemmende Gefühl der Unsicherheit. Gerade viele Frauen haben oft ein mulmiges Gefühl, wenn sie des Nachts von einer Feier oder einem gemütlichen Abend bei Freunden aufbrechen und durch die Dunkelheit alleine nach Hause laufen müssen.

Oftmals behelfen sie sich dabei eines Tricks: Sie rufen einfach einen Freund oder eine Freundin an und quatschen eine Runde mit denen, um sich ein bisschen sicherer zu fühlen. Allerdings gibt es durchaus Menschen, die nicht so erfreut sind, wenn man sie mitten in der Nacht weckt, nur um kurz ein Pläuschen über Sinnloses zu halten. Freundschaft hin oder her.

In der schwedischen Hauptstadt Stockholm hat man genau diese Tatsache aufgegriffen und bei der örtlichen Polizei eine Hotline eingerichtet, die eine telefonische Begleitung für den Heimweg ermöglicht (nein, nicht die 110).

Auch in Berlin vertreten

Inzwischen wird das Thema auch in Deutschland aufgegriffen und so haben sich zwei Frauen in Berlin zusammengetan und das Heimwegtelefon ins Leben gerufen. Zwei Jahre Planung stehen nun hinter dem Projekt und aus finanziellen Gründen konnte erst jetzt die Testphase gestartet werden.

heimwegtelefon

[tl-bildquelle http://www.heimwegtelefon.de/ Screenshot]

In dieser Phase steht jetzt also das Telefon am Wochenende von 22 bis 2 Uhr unter der Nummer 030 120 74 182 für Hilfesuchende bereit.

Spenden benötigt

Da das Projekt aus Eigeninitiative entstanden ist und bisher vollkommen ehrenamtlich abläuft, fehlen natürlich die Voraussetzungen für weitere Investitionen. Es gibt seit Monaten zwar eine Crowdfunding-Kampagne auf Betterplace.org, welche allerdings noch nicht mal die angepeilten 1.500 Euro einspielen konnte. Derzeit sitzen die Mädels noch alleine zu den oben genannten “kurzen” Zeiten vor ihrer kostenlosen Call-Center-Software und sind über eine normale Festnetznummer erreichbar.

Ziel ist es aber irgendwann, dass man eine kostenfreie 0800-Hotline anbiete, sich Deutschlandweit ausbreite und unter Umständen auch längere Zeiten anbiete. Denn bekanntlich wird es im Winter nicht erst um 22 Uhr dunkel und um 2 Uhr geht auch nicht die Sonne auf.

Weihnachtszeit = Spendenzeit?

Zum Glück ist gerade Weihnachten und wer sein Geld nicht unbedingt den gierigen Technikfirmen hinterherschmeißen möchte, sondern für etwas mit gutem Gewissen ausgeben möchte, der sollte sich mal auf dieser Seite anschauen, wie er der Idee eine kleine Spende zukommen lassen kann.

[tl-meinung] Ich finde die Aktion echt gut. Wie oft hat man in seinem Leben eine gute Freundin mit Unbehagen in die Dunkelheit nach Hause laufen lassen, wenn man sie nicht begleiten konnte. Bevor ich auf die Seite aufmerksam geworden bin, habe ich mir noch nie die Frage gestellt, dass auch dies eine gute Geschäftsidee sei. Eine starke Sache also, dass so was im Kommen ist und mein größten Respekt an die beiden Frauen. Vielleicht macht es Berlin auch ein wenig sicherer, denn davon profitiere nicht nur ich, sondern auch die gesamte Stadt.