Filmkritik: Don Jon – Unausgegorene Offenheit

Joseph-Gordon Levitt, einer der beliebtesten Schauspieler unserer Zeit (man möge mal bei Imgur und 9Gag stöbern), hat nicht nur das Drehbuch zu „Don Jon“ verfasst und die Hauptfigur Johnny gespielt, sondern stand auch erstmals hinter der Kamera. Dass das gut gehen kann zeigte jüngst Ben Affleck (Oscar für Argo). Mit Julianne Moore und Scarlett Johansson steht ihm zudem noch eine geballte Ladung namenhafte Frauenpower  zur Seite. Doch reicht es, um ein gutes Debüt zu feiern?

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Triff Johnny. Ein junger, in New Jersey lebender Italo-Amerikaner, dessen Leben sich auf wenige Dinge beschränkt. Freunde, putzen (Ja, putzen. Warum? Keine Ahnung.), Fitness, Frauen, Kirche. Und Pornos. Diese haben es ihm besonders angetan. Es geht soweit, dass man ihn durchaus als pornosüchtig bezeichnen könnte. Nun bringt das einige Probleme mit sich. Erstens, mag es seine neue heiße Freundin (Scarlett Johansson) nicht. Zweitens, Johnny glaube das richtiger Sex einem Porno gleichkommen sollte. Tut es in seinem Fall aber nicht, weshalb er –sagen wir es mal- digitalen Sex dem realen vorzieht (Ich befürchte, davon gibt es einige). Schließlich verlässt ihn Barbara (er schaut zu viele Pornos) und ihm leuchtet ein, dass er möglicherweise sein Weltbild (ein mittlerweile verbreitetes), nicht nur bezüglich Pornos, überdenken muss, wobei er ungeahnte Unterstützung von der etwas älteren Esther (Juianne Moore), einer schleierhaften Kommilitonin in der Abendschule, bekommt.

Positives zuerst

Der größte Pluspunkt ist die Kameraarbeit, die den repetitiven Lebensstil Johnnys durchaus gekonnt aufzeigt. Auch der Schnitt ist gut, die Hip-Hop-Montagen, beim Schauen der Pornos, (Erinnerungen an „Reqiuem for a Dream“ werden wach) sind ein Stilmittel, dass hier geschickt und passend eingesetzt wurde. Ansonsten setzt der Filme keine Maßstäbe. Will er auch nicht. Und muss er auch nicht. Hier handelt es sich schließlich um leichte Unterhaltung.

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[tl-bildquelle http://www.donjon-derfilm.de/index.php donjon-derfilm.de]

Aber kann der Film auch unterhalten?

Die ersten 20 Minuten sind sehr kurzweilig und der durchaus ironische Erzzählstil (ach ja, Generation Jersey Shore) sitzt. Danach aber verheddert sich der Film und kann das Anfangsniveau bei weitem nicht halten. Schade. Es wird zäh und manche Szene erscheint deplatziert (gar absurd) oder es mangelt ihr an Witz und Bissigkeit. Das ist vor allem den teils steifen Dialogen zuzuschreiben.

Generell mag der Film sich nicht so recht entscheiden, was er möchte. Satire oder Drama oder doch Charakterstudie? Oder alles auf einmal?  Das ganze könnte ja auch durchaus funktionieren, bei „Don Jon“ tut es das aber nur bedingt. Dass bissige Satire funktioniert, bewies Ben Stiller mit „Tropic Thunder“ vor einigen Jahren. Dennoch ist es bei weitem kein schlechter Film. Die Schauspielerleistungen sind grundsolide und auch die Kernaussage des Films ist ehrlich, sympathisch und vor allem aktuell. Die aufgegriffene Thematik ist mutig. Einzig die Frage stellt sich, warum erst jetzt  (2013) dieses Thema so offen und schonungslos angeschnitten wird.

Esthers Aussage, dass es beim Sex darum geht, dass zwei Menschen sich ineinander verlieren, beschreibt den Film treffend. Denn der Film verliert sich. Doch leider nicht in den Zuschauer oder umgekehrt. Nein, er verliert sich in sich selbst. Überspitzt gesagt: Er betreibt seine eigene Art von Selbstbefriedigung, bei der man irgendwann etwas gelangweilt (trotz kurzer Spielfilmlänge) zuschaut, weil das Ende so hervorsehbar ist wie in einem Porno. 

Schade. Schade. Schade. Denn eigentlich hat der Film einiges zu sagen, aber irgendwie wirkt das alles unausgegoren.

[tl-film 14.11.2013#Joseph-Gordon Levitt#Joseph-Gorden Levitt, Scarlett Johannson, Julianne Moore#3#Komödie, Romanze, Drama]

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2 Responses to “Filmkritik: Don Jon – Unausgegorene Offenheit”

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