Filmkritik: 12 Years a Slave

Ein Blick in die Filmwelt und eines wird einem schnell bewusst – Beiträge zum Thema Sklaverei sind eher rar. Konträr dazu gibt es zum Beispiel das Thema Holocaust, welches in zahlreichen Filmen skizziert wurde. Darunter befanden sich auch Meisterwerke wie Spielbergs „Schinders Liste“ und Polanskis „Der Pianist“ – Filme gegen das Vergessen und Visualisierungen des Unvorstellbarem (im negativen Sinne selbstverständlich). Nun möchte ich nicht die Sklaverei mit dem Holocaust vergleichen. Ich möchte lediglich hervorheben, dass es um das Thema Sklaverei relativ still ist in Hollywood. Umso erfreulicher ist es, dass der talentierte britische Regisseur Steve McQueen sich diesem sensiblen Thema annahm und einen meisterhaften Film erschuf, der mit seiner ganzen Kompromisslosigkeit das Grauen jener Epoche darstellt.

Solomon Northup (Chiwetel Eijofor) ist ein im Jahre 1841 frei lebender, afro-amerikanischer Violinist, welcher entführt und unter einem anderem Namen als Sklave in die Südstaaten transportiert wird. Dort muss er auf Plantagen arbeiten und das Schrecken der Sklaverei miterleben. Einzig die Hoffnung, seine Frau und Kinder in New York wieder zu sehen, spendet ihm etwas Trost in der Hölle Louisianas.

Der 134 Minuten lange Film wartet immer mit Szenen auf, die bis ins Unerträgliche gehen. Es wird erhängt, ausgepeitscht, vergewaltigt, erschossen oder völlig schikaniert und gedemütigt. Steve McQueen geht keine Kompromisse ein – er schaut nicht weg. Im Gegensatz zum Schrecken gibt es schöne Naturaufnahmen, welche von der tollen Kamera eingefangen wurden. Generell befindet sich der Film technisch auf aller höchstem Niveau. Sei es die bereits angesprochene Kamera, die Ausstattung oder der Schnitt. Einzig der Soundtrack erinnert mitunter etwas an Inception.

Die Schauspieler sind durch die Bank weg überragend. Eijofors Mimik ist reine Kunst. Jede Emotion – Hoffnung, Leid, Wut – lässt sich von seinem Gesicht ablesen. Ebenfalls überzeugen kann Michael Fassbender. Er spielt den Plantagenbesitzer Edwin Epps. Ein Mann voller krankhaftem Hass und perverser Überzeugungen, aber auch ein Mann, der verwirrt ist, weil er sich in eine seiner Sklavinnen namens Patsy verliebt hat. Fassbender ist schlichtweg atemberaubend. Sein Spiel mit den Augen ist unerreicht. Meiner Meinung nach ist er neben Daniel Day-Lewis der beste Schauspieler der heutigen Zeit. Der restliche Cast kann ebenfalls brillieren. Zum Beispiel Benedict Cumberbatch als heuchlerischer Planatagenbesitzer, Paul Giamitti (ungewohnt) als gefühlsloser Sklavenhändler oder Lupita Nyong’o als gebrochene Sklavin Patsy (die Entdeckung schlechthin!). Diese Liste könnte man mit jedem Bestandteil der Darstellerriege weiterführen.

Es wäre ein einfaches, den Zuschauer zu belehren, doch das macht McQueen nicht. Der Film bleibt stets objektiv und das ist seine ganz große Stärke. Hass verändert nicht nur die Täter, sondern auch die Opfer. Jeder kämpft alleine. Schockt dies Solomon anfangs noch (Boot-Szene), lässt er später selbst Patsy allein zurück. 12 Years A Slave zeigt auch wie organisiert die Sklaverei war und was für eine gut strukturierte Industrie dahintersteckte. Selbst wer nicht hundertprozentig an die Methoden glaubte, war ein Teil der Versklavung von dunkelhäutigen Menschen, solange man davon profitierte (Stichwort: Besitzer William Ford). Der Film zeigt die komplette Perversion der Sklaverei auf, was für den Zuschauer nicht immer angenehm anzuschauen ist. Des Öfteren muss man tief durchatmen, doch zum Glück geben die bereits erwähnten Naturszenen einem Zeit, das zuvor gesehene zu verarbeiten. Einzig Brad Pitts (auch Produzent) Kurzauftritt bietet eine Art Hoffnungsschimmer, indem er die Praxis des Besitzers Epps hinterfragt. Sein Charakter ist die Verkörperung der Vernunft und fungiert als die Stimme des Zuschauers. Er sagt Epps das, was wir sagen würden, gäbe man uns die Chance dazu. Ein cleverer Schachzug des Regisseurs.

Über diesen Film könnte man noch so viel mehr sagen und diese Rezension kann nicht mal annähernd der Thematik und dem Gezeigten gerecht werden. Also, tut mir bitte den Gefallen und geht ins Kino. Dieser Film sollte umgehend zum Pflichtprogramm gehören!

[tl-film 16. Januar 2014#Steve McQueen#Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Benedict Cumbertach#5#Drama, Historie]

[thumbs-felixfilme]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.